Riesenschildkröte

Der letzte seiner Art

Der "Einsame George" ist tot. Todesursache der Riesenschildkröte ist noch unklar

- Die mehr als 100 Jahre alte Galápagos-Riesenschildkröte "Lonesome George" ist tot. Der "einsame Georg" wurde von seinem Wärter auf einer Forschungsstation der Galápagosinseln leblos in seinem Gehege entdeckt. Mit dem rund 90 Kilogramm schweren Tier ist die Schildkröten-Unterart Chelonoidis abingdoni ausgestorben.

Das Männchen war 1972 von Ziegenhirten auf der nördlichen Insel Pinta gefunden worden. Bis dahin galt seine Unterart als ausgestorben. Erfolglos blieben Expeditionen auf der unbewohnten Insel im extremen Norden des Archipels, um weitere Artgenossen von George zu finden - daher sein Spitzname. Die Galápagos-Inselgruppe im Pazifik liegt etwa 1000 Kilometer vor der Küste Südamerikas und gehört zu Ecuador.

Wie alt der Koloss tatsächlich wurde, ist unbekannt. Aber die Experten gehen davon aus, dass das Tier mit dem langen Hals und dem dunkel gefärbten, etwa einen Meter großen Panzer vor mehr als 100 Jahren geboren wurde. 100 Jahre sind für eine Schildkröte wie den "Einsamen George" eigentlich kein Alter. Die Forscher hatten daher erwartet, dass er noch einige Jahrzehnte leben würde. Die Todesursache soll nun untersucht werden, teilte der Nationalpark mit. Parkdirektor Edwin Naula sagte, ein internationaler Workshop zum Erhalt von Schildkrötenarten im Juli dieses Jahres werde im Gedenken an George abgehalten.

Zuchtversuche gescheitert

Mit dem Tod dieses Panzertiers ist etwa jede dritte Unterart der Riesenschildkröten auf den Galápagosinseln bereits ausgestorben. Der Fall sei symptomatisch für das menschenverursachte Massenaussterben, das auf der Erde wüte, betonte Volker Homes vom WWF (World Wide Fund for Nature). Ursachen seien ungebremste Lebensraumzerstörung, Klimawandel, Wilderei, die Einführung invasiver Arten in sensible Ökosysteme und die Übernutzung durch den Menschen.

Auf der Forschungsstation der Insel Santa Cruz wurde mehrfach versucht, die Gene von "Lonesome George" durch Paarung mit Weibchen einer verwandten Unterart vom Vulkan Wolf der Insel Isabela zu erhalten. Die Weibchen legten zwar nach 15 Jahren des Zusammenlebens mit "Lonesome George" mehrere Eier - diese waren jedoch alle unbefruchtet. Während der letzten Jahre wurden Weibchen der noch näher verwandten Unterart der Insel Española im selben Gehege untergebracht, doch auch diese Paarungsversuche blieben ergebnislos.

Georges Artgenossen wurden über viele Jahre hinweg dezimiert. Seefahrer, Walfänger und Piraten luden die Tiere als lebende Konserven aufs Boot, weil sie auch ohne Pflege lange Zeit bis zum Schlachten frisch blieben. Aber für das Aussterben der Riesenschildkröten sind nicht allein die Seefahrer verantwortlich", erklärte Homes vom WWF. "Nach ihnen kamen die Siedler und mit ihnen Ziegen und andere dort nicht heimische Tiere ... Sie fressen den Schildkröten die Nahrung weg und fressen den Nachwuchs der Schildkröten."