Polizei

Schlappe für Mexikos Armee im Drogenkrieg

Festgenommener ist nicht Sohn des Kartellchefs

- Einen Tag nach der groß verkündeten angeblichen Festnahme des Sohns von Mexikos meistgesuchtem Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán haben die mexikanischen Behörden eine peinliche Panne eingestehen müssen: Der Festgenommene sei nicht Jesus Alfredo Guzmán, sondern ein anderes Mitglied des Sinaloa-Drogenkartells, erklärten die Ermittler.

Das mexikanische Militär hatte die Festnahme des angeblichen Guzmán-Sohnes verkündet und den Gefassten vorgeführt. Ein Marinesprecher hatte gesagt, Jesus Alfredo Guzmán alias "El Gordo" ("Der Dicke") sei einer der wichtigsten Anführer des Sinaloa-Drogenkartells seines Vaters. Der 26-Jährige habe die Reichtümer seines Vaters verwaltet.

In einer tränenreichen Pressekonferenz meldete sich am Freitag dann eine Frau aus Guadalajara zu Wort und sagte, der Festgenommene sei ihr Sohn Felix Beltrán León, der keinerlei Verbindungen zum Sinaloa-Kartell habe. Nach "notwendigen Identitätstests" bestätigten die Ermittler, dass es sich um Beltrán León handele. Nach Angaben der US-Antidrogenbehörde DEA ist dieser ein ranghoher Untergebener des Guzmán-Sohns.

Joaquín Guzmán ist der Chef des Sinaloa-Kartells und der meistgesuchte Drogenboss in Mexiko und den USA sowie einer der reichsten Männer der Welt. Seit seiner Flucht aus dem Gefängnis 2001 ist er untergetaucht. Die USA haben vier Millionen Euro Belohnung auf Hinweise ausgesetzt. Das Sinaloa-Kartell kontrolliert weite Teile des Drogengeschäfts in Mexiko. Mit konkurrierenden Drogengangs liefert es sich einen blutigen Krieg um die Kontrolle des Rauschgifthandels. Im mexikanischen Drogenkrieg wurden seit Ende 2006 mehr als 50.000 Menschen getötet.