Betrug

IOC untersucht Ticket-Skandal vor Olympia in London

Funktionäre sollen Tickets zu Wucherpreis verkauft haben

- Knapp fünf Wochen vor den London-Spielen steht das Internationale Olympische Komitee (IOC) vor einem peinlichen Ticketskandal. Laut der britischen Zeitung "Sunday Times" sollen Funktionäre Nationaler Olympischer Komitees und autorisierte Ticketverkäufer gegen die strikten IOC-Richtlinien verstoßen und Eintrittskarten teilweise für ein Zehnfaches des Originalpreises angeboten haben - darunter auch beste Plätze beim Finale über 100 Meter. Nach einer außerordentlichen Sitzung der Exekutive kündigte das IOC am Sonntag "strengste Sanktionen" an, sollten sich die Anschuldigungen bewahrheiten.

Die Ringe-Organisation beschloss sofort eine Reihe von Maßnahmen und leitete die Vorwürfe an die Ethikkommission weiter. "Wir nehmen diese Anschuldigungen sehr ernst", erklärte das IOC. Die ehemalige Richterin Pâquerette Girard-Zappelli aus Frankreich soll die Ermittlungen leiten. Sie ist beim IOC für derartige Korruptionsuntersuchungen zuständig. Laut einer nicht namentlich genannten hochrangigen Quelle soll der Ausschluss einiger offizieller Mitarbeiter "sehr wahrscheinlich" sein, berichtete die "Sunday Times".

Zwei Monate lang waren Reporter der britischen Zeitung undercover unterwegs, um die angeblichen Machenschaften aufzudecken. Obwohl es den Nationalen Olympischen Komitees streng untersagt ist, Eintrittskarten außerhalb des eigenen Landes oder an Mittelsmänner zu verkaufen, die diese dann weiter veräußern, sollen 27 Funktionäre und Agenten dazu bereit gewesen sein, so die "Sunday Times". Tickets sollen zum Zehnfachen des eigentlichen Preises angeboten worden sein.

Das Blatt nannte unter anderem einen Fall aus Serbien, wo ein offizieller Tickethändler angeblich rund 1500 Eintrittskarten unter anderem auch für die Eröffnungs- und die Abschlussfeier für 80.000 Pfund (rund 100.000 Euro) in bar angeboten haben soll. Auch über angebliche Verstöße aus China, Litauen oder Griechenland berichtete die Zeitung.

Erst vor rund drei Wochen war der ukrainische NOK-Generalsekretär Wladimir Geraschtschenko zurückgetreten, nachdem er von Reportern des britischen Senders BBC mit versteckter Kamera beim angeblichen Ticketverkauf gefilmt worden war. Der ukrainische NOK-Chef und Stabhochsprung-Weltrekordler Sergej Bubka hatte ihn daraufhin suspendiert. Nicht genehmigte Ticketverkäufe sind illegal in Großbritannien und können mit einer Geldbuße von bis zu 20.000 Pfund (rund 25.000 Euro) bestraft werden.