Extremismus

"Er war jenseits von allem. Er lebte in einer Traumwelt"

Breiviks Mutter beschreibt, wie sich ihr Sohn veränderte

- Im Prozess ist ein regelrechter Glaubenskrieg ausgebrochen - ist der Angeklagte Anders Behring Breivik zurechnungsfähig oder nicht? Am Mittwoch hat sich das erste von zwei Gutachterteams geäußert, das den Attentäter für nicht schuldfähig hält. Die beiden Psychiater Torgeir Husby und Synne Sørheim halten Breivik (33) für unzurechnungsfähig, er leide unter einer paranoiden Schizophrenie.

Bereits Tage zuvor sagten mehrere Sachverständige aus, die Breivik im Gefängnis beobachtet oder die beiden psychologischen Gutachten bewertet haben. Sie teilen nicht die Auffassung der bestellten Gutachter Husby und Sørheim. Sie sagen, der Attentäter habe genau gewusst, was er tat.

In dieser Gemengelage könnte die Aussage von Breiviks Mutter den Ausschlag dafür geben, wohin das Gericht schließlich tendiert. Sie wird zwar nicht selbst vor Gericht auftreten und hat ihre Zusage, ihr Vernehmungsprotokoll vorzulesen, zurückgezogen. Trotzdem werden ihre Einlassungen gegenüber der Polizei und den Gutachtern im Saal thematisiert und somit bekannt werden. In vielen Punkten sind ihre Einlassungen wichtig für die Schizophreniediagnose. Schließt sich das Gericht dieser Auffassung an, landet Breivik in der geschlossenen Psychiatrie.

Die Mutter sagte, dass ihr Sohn sich "ab 2006 ganz verändert" habe und "ab 2010 gänzlich merkwürdig" wurde. Viele Begebenheiten deuten Husby und Sørheim als Zeichen für eine Psychose. Etwa sein verändertes Auftreten, das Tragen eines Mundschutzes, seine Angst vor Spinnen und viele andere ungewöhnliche Verhaltensweisen. "Er sagte, ich dürfe nicht niesen, und wollte nicht in einem Zimmer mit mir sein", sagte die Mutter zu Husby und Sørheim. "Er war jenseits von allem. Er lebte in einer Traumwelt."