Textilien

Blei und Nickel in EM-Trikots

Shirt-Hersteller: Adidas weist die Kritik der Verbraucherschützer zurück

- Ein echter Fan trägt selbstverständlich das Trikot seiner Mannschaft. Doch eine Untersuchung des Europäischen Verbraucherverbands BEUC dürfte die Anhänger der deutschen Nationalmannschaft besonders interessieren: Die Verbraucherorganisationen aus Italien, Portugal und Spanien haben für die BEUC die offiziellen EM-Trikots von neun Mannschaften getestet. In sechs Proben seien "besorgniserregende" Werte von Chemikalien gefunden worden.

In den Shirts der spanischen und deutschen Mannschaft konnte Blei nachgewiesen werden. Diese Werte würden laut BEUC den empfohlenen Grenzwert für Kinderprodukte übersteigen. Die Mannschafts-Shirts der portugiesischen und niederländischen Elf seien mit Nickel belastet, so die BEUC. In den Trikots des Gastgeberlandes Polen fanden die Tester Organotin, eine Substanz, die den Schweißgeruch verhindern soll, aber auch das gesamte Nervensystem beinträchtigen kann. Die Tester wiesen zudem in den Jerseys der italienischen und spanischen Mannschaft Nonylphenol nach. Eine Substanz, die zur Störung des Hormonhaushalts führen kann und gewässertoxisch ist.

"Fußball-Fans zahlen bis zu 90 Euro für ein Trikot ihrer Lieblingsmannschaft. Deshalb können sie gute und sichere Qualität erwarten. Es ist nicht akzeptabel, dass diese Produkte derartige Mengen an Schwermetallen aufweisen", sagt BEUC-Chefin Monique Goyens.

Der Hersteller Adidas, der die deutsche und die spanische Nationalmannschaft mit ihren Sportartikeln ausstattet, weist die Vorwürfe von sich. "Alle Adidas-Trikots erfüllen die gesetzlichen Vorgaben", sagt Adidas-Sprecher Oliver Brüggen. Zu den Jerseys, in denen Spuren von Schwermetall gefunden wurden, sagt er, dass sich diese "im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben bewegen". Adidas setze sich zusätzlich zu "der Erfüllung rechtlicher Vorschriften für Textilien" eigene Standards, "die sich an Empfehlungen anerkannter Umwelt- und Verbraucherschutzinstitute orientieren", so Brüggen.

Gabriele Achstetter, Redakteurin der Zeitschrift "Ökotest" empfiehlt den Fans, die Trikots vor dem ersten Tragen unbedingt zu waschen. "Ökotest" hat im Jahr 2010 die Fan-Trikots der deutschen Bundesligamannschaften für Kinder auf Schadstoffe hin untersucht. Auf Grund dieser Untersuchung weiß Achstetter, dass "der Großteil der Schadstoffe sich in den Aufdrucken befindet". Deshalb rät sie jedem den direkten Hautkontakt mit dem Aufdruck zu vermeiden, also zum Beispiel das verschwitzte Gesicht nicht mit dem Trikot abzuwischen. Wenn sich bedenkliche Substanzen auf dem Trikot befinden sollten, würde man vom Tragen nicht sofort krank werden. "Das Problem besteht darin, dass sich diese Schadstoffe im Körper anreichern können", sagt Achstetter. Kerstin Dlubis vom Deutschen Textilforschungsinstitut bemängelt die Pressemitteilung der BEUC, weil sie für eine vernünftige Beurteilung zu allgemein formuliert sei. "Es wurden keine tatsächlichen Werte veröffentlicht.