Märchenhaft

Von der Straße nach Harvard

Wie sich ein obdachloses Mädchen bis an die Elite-Uni gekämpft hat

- Es ist eine Geschichte wie aus dem Märchen, nur dass in diesem Märchen ein kleines Mädchen sehr hart für ihr Happy End arbeiten musste. Die obdachlose Jugendliche Dawn Loggins wird die Elite-Universität Harvard besuchen. "Ich war so überrascht", sagte die 18-Jährige ABC News über den Moment, als sie die Zusage erhielt. "Ich bin nicht rumgehüpft oder habe geschrien, ich war nur glücklich."

Loggins' Schicksal hätte auch ganz anders laufen können. Das Mädchen wächst in schwierigsten Verhältnissen auf. Armut. Drogen. Verwahrlosung. Das ist Loggins' Kindheit. Die Mutter ständig arbeitslos, der Stiefvater zieht auf der Flucht vor dem Gesetz mit der Familie von einem US-Bundesstaat in den nächsten. Sie wohnen in Häusern ohne Strom und Wasser. In einem Sommer besucht Dawn ein Camp in North Carolina, die Sommerschule. Als sie zurückkehrt, findet sie das Haus leer vor. Das Telefon ist abgeklemmt, die Handys der Eltern sind ausgeschaltet. Keine Nachricht, keine Warnung, keine Hinweise. Ihre Eltern haben sie einfach sitzengelassen, wie sie Fox News in einem Interview erzählt. 15 Jahre ist sie an diesem Tag.

Von ihrer Großmutter, die selbst in einer Hütte wohnt, erfährt sie von dem Umzug der Eltern nach Tennessee. Plötzlich ist Dawn obdachlos. Für Loggins war das angeblich ein Gefühl der Befreiung. Zum ersten Mal in ihrem Leben habe sie sich nicht um jemand anderen sorgen oder kümmern müssen. Jetzt stand sie im Mittelpunkt. Sie entschloss sich zu handeln. Dawn wollte zurück zur Schule. Und das tat sie. Doch ihr fehlten viele Basics, weil sie durch ihre häufigen Umzüge und Lebensumstände sehr viel verpasst hatte.

Einmal stand sie kurz davor, den Abschluss nicht zu schaffen. Dazu kam, dass sie natürlich ganz anders war als ihre Mitschüler. Sie kam häufig in dreckiger Kleidung zur Schule, hatte kein Geld, viele glaubten, sie sei dumm, sie wurde gehänselt. Doch Dawn gab nicht auf, sie meldete sich für Onlinekurse an und holte mit ihrem Betreuer alles auf. Der Unterrichtsstoff war das eine Problem, Geld das andere. Um über die Runden zu kommen, kam Loggins immer viel früher als alle anderen in der Schule. Aber nicht zum Lernen, sondern um als Hausmeister zu arbeiten. "Für viele Menschen ist so ein Schicksal eine gute Ausrede. Ich habe das immer als meine Motivation gesehen", sagte Loggins auf die Frage, wie sie das alles geschafft habe.

Mit ihrer Geschichte hofft sie nun, auf die Lage aller obdachlosen Kinder in den USA aufmerksam zu machen. Experten schätzen, dass zurzeit etwa zwei Millionen Kinder auf der Straße leben. Und sehr viele werden vernachlässigt wie Dawn, die der "Daily Mail" erzählt, dass weder ihre Mutter noch ihre Großmutter ihr beigebracht hätten, wie wichtig es sei, sich um sich selbst zu kümmern. Zum Beispiel mit einer Dusche oder sauberer Kleidung. Von Harvard und dem Stipendium erwartet Loggins deshalb viel: "Meine Zukunft wird großartig. Das weiß ich. Harvard bedeutet für mich Stabilität. Ich muss mich nicht mehr darum sorgen, wo ich meine Mahlzeiten herbekomme und wo ich nachts schlafen kann. Mir steht die Welt offen", sagt sie. Sie hat es geschafft. Und darauf darf sie wirklich stolz sein.