Studenten

Ein Schmiss geht durch die Deutsche Burschenschaft

Die Deutsche Burschenschaft in ihrer jetzigen Form steht offenbar endgültig vor dem Aus. Nach übereinstimmenden Berichten vom Burschentag im thüringischen Eisenach droht dem Verband in den nächsten Monaten entweder die Spaltung oder die Auflösung.

- Hintergrund ist eine seit Jahren geführte Debatte innerhalb der Studentenverbindungen über den Umgang mit rechten Strömungen. Die Deutsche Burschenschaft hat nach eigenen Angaben derzeit etwa 115 Mitgliedsvereinigungen. Sie gilt als der größte Zusammenschluss von Burschenschaften in Deutschland und Österreich.

Um das weitere Vorgehen zu beschließen, haben sich die Burschen auf die Einberufung eines außerordentlichen Burschentages verständigt. "Dort wird es um die Zukunft unseres Verbandes gehen", sagte der Sprecher der Deutschen Burschenschaft (DB), Christoph Basedow. Er glaube nicht, dass der Verband in seiner aktuellen Gestalt weiter bestehen werde. Das Treffen solle innerhalb der nächsten Monate stattfinden.

Auch der ehemalige Pressereferent der DB, Michael Schmidt, sagte, es sei "sehr wahrscheinlich", dass die Vereinigung nicht mehr lange in ihrer jetzigen Form bestehe. Die Gegensätze zwischen liberalen und konservativen Verbindungen seien zu groß. "Dass sich etwas so massiv ändert, dass man sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen kann, halte ich für unwahrscheinlich", sagte er. Schmidt war während des Burschentages von seinem Amt als Pressereferent zurückgetreten.

Er habe nicht länger "den Kopf dafür hinhalten wollen, was mit diesem Verband in Verbindung gebracht wird". Unmittelbarer Auslöser für seinen Schritt sei die Wiederwahl von Norbert Weidner zum sogenannten Schriftleiter der DB-Zeitung "Burschenschaftliche Blätter" gewesen, sagte Schmidt. Weidner war in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten, weil er den NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als Landesverräter bezeichnet haben soll.