Adel

Die königlichen Spiele beginnen

Mit 41 Salutschüssen starten die Feiern zum 60. Thronjubiläum von Elizabeth II. Am Anfang dreht sich alles um ein Pferderennen

- "Peggy" ist an allem Schuld. Das kleine Shetland-Pony war das erste Pferd der Queen. Die heutige Monarchin, damals gerade einmal vier Jahre alt und noch "Lilibet" gerufen, wurde durch das Geschenk ihres Großvaters zur stolzen Pferdebesitzerin. Aus der kindlichen Liebe zum Pony entwickelte sich über die Jahre eine Obsession. Die Queen ist heute, 82 Jahre später, oberste Pferdenärrin im pferdeverrückten Großbritannien. Und so beginnen die viertägigen Feierlichkeiten zum 60. Thronjubiläum auch mit dem berühmtesten Pferderennen der Welt, dem Epsom Derby, und dem Auftritt der Queen dort.

Ganz offiziell natürlich begann alles schon etwas früher mit 41 Salutschüssen im Zentrum Londons, am Tower. Sie erinnerten an die offizielle Krönung am 2. Juni 1953. Sie ist nach ihrer Ur-Urgroßmutter Queen Victoria die am zweitlängsten regierende Monarchin in der Geschichte des Landes.

Viel zu sagen hat sie allerdings nicht - politisch gesehen. Die Queen hält etwa zu Beginn eines jeden Parlamentsjahres die Thronrede, in der sie das Gesetzgebungsprogramm der Regierung für das folgende Jahr bekannt gibt. Sie trifft sich einmal wöchentlich mit dem Premierminister, bekommt alle Kabinettspapiere und Sitzungsprotokolle des Kabinetts und seiner Ausschüsse. Ferner erhält sie Kopien aller wichtigen Berichte des Außenministeriums und eine Zusammenfassung des Tagesgeschehens im Parlament, ist also im Bilde über das politische Geschehen. Sie kann ihre Ansichten äußern, muss aber als konstitutionelle Monarchin die Entscheidungen der Regierung akzeptieren.

Feiern in der Telefonzelle

Dafür repräsentiert sie seit 60 Jahren souverän das Land. Vermutlich gibt es auch nur wenige Menschen, die praktisch weltweit so bekannt sind wie sie. Und sie hält die Moral der Nation hoch, gerade in Zeiten, in denen es vielen im Land schlecht geht, wie derzeit. Auch dafür gab es landauf, landab Salut.

Und dann ist auch noch so einiges geplant neben den üblichen Feiern: Käse-Wettrollen, Teddybären-Parties, selbst in roten Telefonzellen wird das Thronjubiläum begangen. Gärtner toben sich an Buchsbäumen aus, um den besonderen Jubiläums-Schnitt hinzubekommen, im St.-James-Park nahe dem Buckingham Palace ist gar die Krone in Form geschnitten. Und überall Wimpel, Fähnchen lachende Gesichter.

Doch zunächst Epsom. In den vergangenen Jahren hat Elizabeth II. das Rennen selten verpasst. Ist sie dort sonst eher im Hintergrund präsent, fuhr sie diesmal über die Rennstrecke zu ihrem Podium. Mehr als 150.000 Gäste, viele von ihnen in den Nationalfarben oder Kostümen aus den 50er Jahren gekleidet, begrüßten sie. Sängerin Katherine Jenkins sang die Nationalhymne "God save the Queen". Die Königin trug royalblau. Begleitet wurde sie von ihrem Mann Prinz Philip (90), den Söhnen Prinz Andrew (52) und Edward (48), und ihren Enkelinnen Beatrice (23) und Eugenie (22).

An diesem Sonntag wird die Queen an einer historischen Parade von mehr als 1000 Schiffen auf der Londoner Themse teilnehmen. Dabei sollen auch die Thronfolger Prinz Charles und William mit ihren Ehefrauen Camilla und Kate sowie weitere Mitglieder der Königsfamilie mit von der Partie sein. Millionen Zuschauer werden erwartet. 13.000 Polizisten wachen über die ruhige Fahrt durch London. Monarchie-Gegner haben eine Gegenkundgebung angekündigt.

Am Montag werden mehr als 4000 Fackeln zu Ehren der Queen in Ländern des Staatenbundes Commonwealth - den resten des britischen Empire - und in Großbritannien angezündet. Am Abend gibt es ein Popkonzert vor dem Buckingham Palast mit Stars wie Paul McCartney und Robbie Williams. Am Dienstag stehen ein Dankgottesdienst in der St. Paul's Kathedrale und eine Kutschfahrt durch die Straßen zum Palast an.

Sorge machte den Feiernden am Sonnabend der Wetterbericht. Nach mehreren sommerlichen Tagen sanken die Temperaturen, für die Zeit der Schiffsparade wurde sogar mit Regen gerechnet. Zum Rennen in Epsom war es bewölkt und schon recht kühl. Das Rennen gewann übrigens der Favorit Camelot. Die Queen hatte kein eigenes Pferd am Start. Das war im Krönungsjahr 1953 anders. Damals lief Elizabeths Aureole mit - es reichte nur für Platz zwei.

Die Mehrzahl der britischen Parlamentarier entschied sich übrigens derweil, eine Initiative zu unterstützen, die eines der berühmtesten Londoner Wahrzeichen mit der Queen verbinden soll: Der Uhrenturm des Parlamentsgebäudes, gemeinhin nach der Glocke Big Ben benannt, soll in Elizabeth-Turm umbenannt werden. Ob sich das allerdings im Sprachgebrauch durchsetzen wird, ist ungewiss.