Medien

Britische Journalisten hörten eigenen Chefredakteur ab

Wenn Krieg herrscht, müssen Kollateralschäden einkalkuliert werden.

- Kein Wunder also, dass dort, wo sogenannte Investigativ-Journalisten massenweise Telefonate abhören, mitunter auch einmal die scheinbar Falschen in die Schusslinie geraten. So zeichnet sich im britischen Telefonhacker-Skandal um die inzwischen eingestellte Sonntagszeitung "News Of The World" ab, dass auch zahlreiche Mailboxnachrichten des damaligen Chefredakteurs des Blatts, Andy Coulson, mitgeschnitten wurden. Dieser hatte allem Anschein nach des Öfteren bei Hannah Pawlby angerufen, ihres Zeichens Beraterin des ehemaligen Labour-Innenministers Charles Clarke.

Coulson selbst war seit Amtsantritt des konservativen Premierministers David Cameron im Jahr 2010 dessen Berater, bevor er Anfang 2011 von diesem Amt zurücktrat - nicht ohne zu betonen, dass es unter seiner Ägide als Chefredakteur keinerlei illegale Abhörpraktiken gegeben habe. Pawlby ist derzeit eifrig mit dem Klagen vor Gericht beschäftigt. In der vergangenen Woche stellte sie Strafanzeige gegen News International, Murdochs Verlagssparte, und auch gegen den zwielichtigen Privatdetektiv Glenn Mulcaire, der nach seiner Karriere als Profifußballer ins wahrscheinlich lukrativere Abhörfach wechselte, eine Schlüsselrolle bei zahlreichen Bespitzelungen spielen dürfte und bereits vor Jahren für eine illegale einschlägige Aktion verurteilt wurde.

Wenig beneidenswert sind auch die Beamten, die dabei sind, alle zu kontaktieren, die von den Hackern möglicherweise attackiert wurden. Rupert Murdoch selbst scheint der Skandal längst über den Kopf gewachsen. Auf Twitter konzentriert er sich auf die wirklich wichtigen Dinge und gratuliert Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zum Börsengang.