Prozess

Bruder von Arzu wegen Ehrenmord verurteilt

Richter hält ältere Schwester für Anstifterin zur Gewalttat

- Im Ehrenmord-Prozess gegen die fünf Geschwister der getöteten Kurdin Arzu Ö. hat das Landgericht Detmold am Mittwoch hohe Haftstrafen verhängt. Einer der vier Brüder wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Die Schwester und ein weiterer Bruder erhielten wegen Beihilfe und Geiselnahme zehn Jahre Gefängnis. Die beiden angeklagten jüngeren Brüder müssen fünfeinhalb Jahre in Haft.

Der Vorsitzende Richter Michael Reineke sprach von einem "Ehrenmord". Die fünf Angeklagten sollen ihre 18-jährige Schwester Arzu am 1. November 2011 nach Lübeck verschleppt und dort mit mehreren Kopfschüssen getötet haben. Sie hätten aus einer "antiquierten Ehrvorstellung" gehandelt, weil Arzu einen deutschen Freund hatte, sagte der Richter. Der hauptschuldige 22-jährige Bruder hatte zu Prozessbeginn am 30. April die Tat gestanden. Richter Reineke warf den fünf Geschwistern vor, sie hätten Arzu "nicht mehr nur den Kopf waschen wollen". Bei der Suche nach Arzu, die bereits vorher wegen Misshandlungen durch Familienmitglieder medizinisch behandelt werden musste und sich in einem Frauenhaus versteckt gehalten hatte, sei es darum gegangen, weitere "körperliche Strafen folgen zu lassen". Nach Ansicht des Richters waren nicht der Vater und die Brüder die treibende Kraft, sondern die ältere Schwester Arzus. Als "Managerin der Familie" hätten die Eltern und neun jüngeren Geschwister zu ihr aufgeblickt. Reineke forderte, die Thematik der "Ehrenmorde" stärker in der Öffentlichkeit zu thematisieren, aber ohne Vorverurteilung der Väter oder familiärer Strukturen.

Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes begrüßte die Verurteilung. Die "kulturelle Toleranz bei dieser eklatanten Menschenrechtsverletzung" müsse ein Ende haben, hieß es.