Adel

Ärger royal

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Ute Müller

Spaniens Königin Sofia lässt die goldene Hochzeit platzen. Sie hat genug von den Affären ihres Mannes. Da helfen auch keine teuren Geschenke

- Seit Langem hatten die krisengeplagten Spanier keinen richtigen Grund mehr zum Feiern. Daher hätte sie ein prunkvolles Zeremoniell anlässlich der goldenen Hochzeit ihres Königspaares von den Alltagssorgen ablenken können. Doch dazu wird es nicht kommen. Am 14. Mai 1962 hatten sich Spaniens Juan Carlos (74) und Doña Sofia (73), Prinzessin von Griechenland in Athen vor dem versammelten europäischen Hochadel ewige Treue geschworen, es war die Traumhochzeit schlechthin. Doch 50 Jahre später würde die Casa Real den Termin am liebsten aus dem Kalender streichen, zu viel ist in den vielen Jahren aus dem Lot geraten. Im Königspalast Zarzuela herrscht nun akuter Erklärungsnotstand. "Der 14. Mai ist dieses Jahr ein Brückentag", erklärte Palastsprecher Rafael Sottorno. Daher seien keine Feierlichkeiten in der Öffentlichkeit geplant.

Ihre Leiden hat sie aufgeschrieben

Den wahren Grund verschweigt der gelernte Diplomat lieber. Ihre Monarchin hat keine Lust mehr, länger gute Miene zum Spiel zu machen. Stoisch hat Doña Sofia jahrzehntelang Don Juans zahlreiche Eskapaden ertragen, ihre Leiden sind ausführlich in dem Buch "Die Einsamkeit der Königin" von der Hofbiografin Pilar Eyre dokumentiert. Es war der Jagdausflug des Monarchen nach Botsuana zu Ostern, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Denn mit von der Partie war die deutsche Prinzessin Corinna zu Sayn-Wittgenstein (47), die unweit des Königspalastes lebt. Hatte es bis dato nur Gerüchte über ein Verhältnis der beiden gegeben, fand die Presse jetzt alles bestätigt, jedoch nur, weil der König sich die Hüfte brach und zur Notoperation nach Madrid geflogen werden musste. Corinna zu Sayn-Wittgenstein saß mit ihm im Privatflieger, nun erfuhr ganz Spanien, dass sie den König schon seit Jahren bei der Jagd begleitet. Urplötzlich tauchten auch zahlreiche Fotos von der Blondine im Gefolge des Königs auf, die vorher unter Verschluss gehalten worden waren.

Doña Sofia hatte sich jahrelang bewusst abgelenkt und die Zeit damit verbracht, Sohn Felipe zum Thronfolger aufzubauen. Nur so gelang es ihr stets, die Contenance zu bewahren. Als sie 2006 ihren Mann auf einer offiziellen Reise nach Saudi-Arabien begleitete, traf sie erstmals auf Corinna zu Sayn-Wittgenstein. Die trat als "strategische Beraterin" des Monarchen auf, eine Demütigung, die seine Gemahlin damals noch stillschweigend ertrug.

Doch diesmal wollte sich Doña Sofia nicht weiter mit der Rolle der verständnisvollen Gattin abgeben. Erstaunt sehen die Spanier zu, wie sich ihre sonst so brav lächelnde Königin mehr und mehr emanzipiert und bewusst ihre eigenen Prioritäten setzt. Als sie vom Botsuana-Desaster und der notwendigen Hüftoperation des untreuen Ehemanns erfuhr, packte sie erst einmal die Koffer und besuchte ihren Bruder Konstantin in Griechenland. "Die Königin, die ihr Kreuz in den letzten Jahren so tapfer getragen hat, kehrt mehr und mehr zu ihren Ursprüngen zurück", bilanzierte Biografin Pilar Eyre. "Mit dem Geschwistern und den Cousins aus den deutschen Fürstenfamilien ist Sofia locker und ungezwungen wie in ihren jungen Jahren. Man scherzt auf Deutsch, Griechisch und Englisch, Spanisch spricht die Königin nur bei offiziellen Anlässen."

Drei ganze Tage ließ sie den König im Krankenbett schmoren, bevor sie ihn nach der Hüftoperation zum ersten Mal besuchte. Schon da war abzusehen, dass es zum 50. Hochzeitstag kein Festbankett, keine Sonderbriefmarke geben wird. Nicht einmal ein Edelsteingeschmeide im Wert von sieben Millionen Euro, mit der der König die Gattin versöhnlich stimmen wollte, dürfte da die Wogen glätten. Es handelt sich um Schmuck, den Juan Carlos' Großvater Alfonso XIII. einst seiner Gattin überreichte - als Entschuldigung für seine Affären. "Dieses Geschenk war eher kontraproduktiv", höhnte ein Kenner des Königshauses in Madrid.

Chaos im gesamten Königshaus

Doch die Hofberater sorgen sich um den generellen Imageverlust der spanischen Monarchie. Nach wie vor tobt ein Sturm um Iñaki Urdangarín, den Schwiegersohn des Königs. Der 44-Jährige hat seine Stellung als Mitglied der Königsfamilie offenbar dazu genutzt, um sich zu bereichern. Urdangarín, der mit Infantin Cristina verheiratet ist, soll in seiner Zeit als Präsident einer gemeinnützigen Stiftung fast sechs Millionen Euro öffentlicher Gelder veruntreut haben. Sein Ex-Partner droht nun damit, E-Mails zu veröffentlichen, die den König wegen angeblicher Mitwisserschaft in die Bredouille bringen könnten. Seitdem der Skandal um Urdangaríns wundersame Geldvermehrung ausbrach, lautet die offizielle Losung der Casa Real, auf Distanz mit der unliebsamen Verwandtschaft zu gehen. Daran halten sich ganz besonders Kronprinz Felipe und Gattin Letizia. Sofia spielt nicht mit. Vor wenigen Tagen flog sie demonstrativ nach Washington, um ihre Tochter und ihre Enkel zu besuchen, ganz nach dem Motto "Frei wie ein Vogel".