Kinderstars

Die erfolgreiche Olsen-Bande

Sie waren Kinderstars im Fernsehen. Jetzt stehen Mary-Kate und Ashley Olsen an der Spitze eines Multimillionen-Dollar-Unternehmens

Ehemalige Kinderstars haben es nicht leicht. Erst kürzlich sah man erschreckende Bilder eines abgemagerten, völlig derangierten Macaulay Culkin, dem ehemals niedlichen Jungen aus den "Kevin allein ..."-Filmen. Von Lindsay Lohan über River Phoenix bis zu Corey Haim, die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Umso verwunderlicher ist es, dass eine Familie anscheinend besser zurechtkommt: Der Olsen-Klan ist gekommen, um zu bleiben in Hollywood.

Seine bekanntesten Vertreter sind mit Abstand Mary-Kate und Ashley Olsen, die Babyzwillinge aus der 80er-Jahre-Serie "Full House". Als Michelle Tanner teilten sie sich damals eine Rolle.

Es war der Start für eine gigantische Karriere. "Mary-KateAndAshley" wurden zu einer Marke aufgebaut, mindestens ein Produkt von ihnen steht in jedem amerikanischen Kinderzimmer. Sie erlebten alles öffentlich: erste Pickel, ersten Liebeskummer oder den ersten Ritt auf einem Pferd. Sie lebten und leben wie in einem "Big Brother"-Container, 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag.

Mittlerweile sind die Mädchen zu zwei Blondinen mit riesigen Augen in schmalen, nahezu identischen Gesichtern geworden. Längst sind sie uneingeschränkte Herrscherinnen über ein Multimillionen-Dollar-Imperium. Zwar wollte es mit der Schauspielerei nach der Pubertät nicht mehr so recht passen, aber da hatten die beiden an ihrem18. Geburtstag schon jede ihre 214,3 Millionen Dollar auf dem Konto. "Geld löst keine Probleme, aber es schafft auch keine", sagt Ashley. "Es kommt darauf an, welche Entscheidungen man damit trifft." Und die beiden haben mithilfe ihres Managers Robert Thorne anscheinend die richtigen getroffen. Filme, Puppen, Bücher, Videos, Kleider - alles etwas trashig, aber lukrativ. Komplett skandalfrei und ohne psychische Probleme ging es natürlich nicht. 2004 erkrankte Mary-Kate an Magersucht, Gerüchte über Kokaingenuss machten die Runde. Das alles war kurz vor ihrem 18. Geburtstag. Die Eltern brachten Mary-Kate in die Sundance Lodge nach Utah für einen Entzug. Seitdem scheint das Thema erledigt. Mode ist ihr neues Hauptgeschäftsfeld.

Die aktuellste Erfolgsmeldung: Erst vor wenigen Tagen wurden sie vom US-Magazin "Time" zu All-Time-Mode-Ikonen gewählt. Auf einer Liste, in der auch Miuccia Prada oder Coco Chanel auftauchen. Begründung: Mit ihrem Boho-Stil, den sie an ihren wenigen Wochen an der Universität in New York etablierten, hätten sie einen dauerhaften neuen Stil kreiert. Wie so viele Promis versuchen sich auch Mary-Kate und Ashley Olsen als Designerinnen. Nur dass die beiden eben sehr erfolgreich sind.

Nun tritt ein weiteres Mitglied der Olsen-Bande ins Scheinwerferlicht. Und ist, oh Wunder, völlig anders als ihre Zwillingsschwestern. Eine junge Frau, deren Präsenz man nach nur wenigen Minuten auf der Kinoleinwand in dem gerade in Deutschland laufenden Film "Martha Marcy May Marlene" fast körperlich zu fühlen scheint. Bereits beim Sundance-Festival 2010 wurde die 22-jährige Elizabeth Olsen als Sensation gehandelt. Man konnte die Erleichterung der Filmkritiker fast spüren, nun auch ein Olsen-Kind für die intellektuellen Fans zu haben.

Man merkt deutlich: Im Gegensatz zu Mary-Kate und Ashley hatte Elizabeth mehr Zeit, sich zu entfalten. Zwar gab es einige Gastauftritte in der Kindersendung der Zwillinge, aber das scheint sie von einem Wunsch nach einer TV-Karriere dauerhaft geheilt zu haben. "Ich habe meine beiden Schwestern immer nur als erwachsene Frauen gesehen. Sie hatten keine Kindheit" ist das, was sie über sie sagt. Elizabeth entschied sich für einen anderen Weg und besuchte die New Yorker Tisch School of Arts. Sie wollte ans Theater. Und steht nun am Beginn einer außergewöhnlichen Karriere.

Und die Eltern der Hollywood-Prinzessinnen? Vater David Olsen ist ein wenig erfolgreicher Banker, Jarnett (Jarnie) Olsen ist eine ehemalige Balletttänzerin. Das Paar bekam während der Ehe vier Kinder, die Zwillinge sind genau in der Mitte. Die Beziehung hielt ganze 18 Jahre. "Die Scheidung war für uns zuerst schwierig. Aber es war die beste Lösung", betonen Mary-Kate und Ashley immer wieder. Der Vater heiratete kurz darauf erneut (seine Sekretärin) und bekam zwei weitere Kinder, Jack und Taylor. Die Geschwister und Halbgeschwister scheinen ein gutes Verhältnis zu haben. Mutter Jarnett kümmerte sich nach der Scheidung um die Karriere der beiden Zwillinge, bis jetzt ohne nennenswerte Skandale.

Woher sie alle in ihrer Familie das Talent haben, diese Frage kann Elizabeth auch nicht recht beantworten. "Es ist ja nicht so, als wenn man uns etwas ins Trinkwasser gerührt hätte", sagt sie. Das nächste der Olsen-Kids steht schon in den Startlöchern. Dieses Mal ist es allerdings kein Mädchen. Es ist der Sohn der Familie: Trent Olsen ist über 20 und Drehbuchautor. Es heißt, er sei sehr begabt.