Gericht

Busunglück mit 14 Toten: Landgericht eröffnet Prozess

Es war eines der schwersten Busunglücke, die es je in Deutschland gegeben hat.

- Seelsorger beschrieben die Szenerie unmittelbar nach dem Unfall als "Bild des Grauens: Tote auf der Straße, Tote im Bus, überall Verletzte." Am 26. September 2010 raste ein mit 49 Personen besetzter polnischer Reisebus auf der Autobahn 10 am Schönefelder Kreuz in Brandenburg in eine Leitplanke. 14 Menschen kamen ums Leben, 37 wurden verletzt. Ab nächsten Freitag muss sich eine 38-Jährige wegen fahrlässiger Tötung vor dem Landgericht in Potsdam verantworten.

Die Frau soll ihr Auto bei der Auffahrt auf den Berliner Ring auf nasser Fahrbahn zu stark beschleunigt und dabei die Kontrolle über das Fahrzeug verloren haben. Der Busfahrer wollte dem Auto einem Sachverständigen-Gutachten zufolge ausweichen und prallte dabei mit seinem Fahrzeug gegen einen Brückenpfeiler. Bereits im Januar 2011 hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Autofahrerin erhoben. Dem Gutachten zufolge soll es keine Anhaltspunkte dafür geben, dass das Auto zu schnell fuhr - auch das will das Landgericht nun klären.

Unmittelbar nach dem Unglück brach an der Unfallstelle zunächst das Chaos aus. "Einige Leute schrien, andere irrten umher", so beschrieb damals ein Helfer die Situation auf der Autobahn. Manche Fahrgäste hatten es sich vor dem Aufprall im Bus gemütlich gemacht und die Schuhe ausgezogen. Die Insassen waren auf dem Rückweg aus dem Urlaub in Spanien. Nach dem Aufprall liefen zahlreiche Menschen bei kaltem, regnerischem Wetter barfuß über die Autobahn. Die Seelsorger kümmerten sich um die Betroffenen, brachten sie eilig in von die von Rettungskräften aufgestellten Zelte.

Der Unfall führte zu einem Großeinsatz von 250 Rettungskräften und 50 Polizisten. Sechs Hubschrauber brachten die Verletzten in Krankenhäuser in Berlin und Brandenburg. Bereits einen Tag nach dem Unglück kamen 120 Angehörige der Opfer aus Polen nach Brandenburg. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sprach von einem der "schlimmsten Unglücke" in der Geschichte des Bundeslandes.

Zum Prozessauftakt sollen am Freitag zunächst vier Zeugen aussagen, wie ein Sprecher des Landgerichts Potsdam sagte. Drei Nebenkläger wurden zu dem Verfahren zugelassen. Die Beteiligten rechnen mit einem schnellen Verfahren. Fünf Prozesstage hat das Gericht angesetzt. Damit könnte bereits am 1. Juni ein Urteil gesprochen werden. Dann hat das Warten ein Ende - für die angeklagte Frau und die Hinterbliebenen.