Stalker-Affäre

Facebook-Exhibitionist am Pranger

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Steffen Haubner

Stalker-Affäre: Polizeigewerkschaft unterstützt Sportlerin Friedrich

- Freunde sucht man sich im richtigen Leben für gewöhnlich sehr sorgfältig aus. Weniger genau nehmen es die meisten Nutzer des sozialen Netzwerkes Facebook. Da ist schnell mal jemand "geaddet", zu Deutsch "der Freundesliste hinzugefügt", den man eigentlich gar nicht kennt. Dass das nicht jeder mit hehren Absichten tut, musste jetzt die Leichtathletin Ariane Friedrich erfahren.

Ein "Fan" ließ ihr eine obszöne E-Mail zukommen, im Anhang ein Foto, in dem er einen entblößten Teil seines Köpers zur Schau stellt. Angeblich. Zu überprüfen ist das derzeit nicht. Denn Ariane Friedrich öffnete den Anhang nicht. Stattdessen veröffentlichte sie auf ihrer Facebook-Seite den Namen des vermeintlichen Übertäters samt Wortlaut der anstößigen Mail. Und erstattete Anzeige. "Ich bin es schlicht leid", rechtfertigte sie ihren drastischen Schritt. "Nur weil ich ein wenig mehr in der Öffentlichkeit stehe, heißt das noch lange nicht, dass Dritte mich in irgendeiner Art und Weise attackieren, beleidigen oder sexuell belästigen dürfen." Den Rest erledigten andere. Das Facebook-Profil des mutmaßlichen Mail-Exhibitionisten war schnell ausfindig gemacht, bis gestern Nachmittag bekundeten 2850 Facebook-Nutzer ihre Sympathie mit der wehrhaften Geschädigten. "Absolut richtiger Schritt, solche perversen Spinner öffentlich an den Pranger zu stellen", schreibt da einer. So eindeutig sieht das nicht jeder. Rechtlich gesehen hat sich die Sportlerin nach Auffassung des Medienrechtprofessors Thomas Hoeren von der Universität Münster der Verletzung der Persönlichkeitsrechte schuldig gemacht. "Ich kann emotional verstehen, dass jemand sagt: Ich habe die Nase voll und sich auf diese Weise wehrt. Aber juristisch gesehen ist das ein klarer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte", sagt Hoeren. Die Mail sei wie ein privater Brief zu behandeln. "Aus dem darf auch nicht ungefragt zitiert werden." Das Internet sei kein rechtsfreier Raum.

Rückenstärkung erhielt die Athletin der LG Frankfurt durch die Chefs der beiden deutschen Polizeigewerkschaften. "Sie hat als Person des öffentlichen Lebens richtig gehandelt und ein gutes Zeichen gesetzt. Strafverfolgung muss auf jeden Fall sein. Auch ich verfahre so, wenn ich wieder mal eine Morddrohung erhalte", sagte Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizei-Gewerkschaft (DPolG). Auch Josef Scheuring, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), steht grundsätzlich hinter dem Verhalten der WM-Dritten von Berlin 2009. "Die Anzeige war der richtige Schritt - jede Person des öffentlichen Lebens sollte so handeln, wenn sie in ihren Rechten verletzt wird", sagte er.

Ein Rechtsstreit würde wohl allerdings recht bald eingestellt, den Verursacher erwarte allenfalls eine geringe Geldbuße.

Doch dazu müsste dessen Identität erst einmal eindeutig ermittelt werden. Der Beschuldigte jedenfalls erklärte inzwischen gegenüber der "Bild"-Zeitung, sein Facebook-Account sei schon zweimal gehackt worden. In solchen Fällen kann ein Dritter, der in Besitz der Zugangsdaten des Nutzers gelangt ist, in dessen Namen alles Erdenklich veröffentlichen, um ihn in Misskredit zu bringen. Zudem wählte der Täter ja den Weg der E-Mail. Unter einer fremden Mail-Adresse kann jeder alles verschicken. Wer die elektronische Post verschickt hat, dürfte mit letzter Sicherheit kaum festzustellen sein - zum Beispiel wenn der Absender zum Verschicken einen fremden Rechner oder einen öffentlichen Internet-Terminal benutzt hat.