Skandal

Vom Sterne- zum Stundenhotel

Wie Barack Obamas Bodyguards den Ruf des traditionsreichen "El Caribe" beschädigten

- Dunkle Sonnenbrillen, grimmige Gesichter und keine Lust auf Diskussionen: So traten die Leibwächter von US-Präsident Barack Obama beim Amerika-Gipfel im kolumbianischen Cartagena auf, Männer vom Secret Service und des US-Militärs.

Doch hinter der Maske der stahlharten Kerle verbergen sich offenbar Männer mit Schwächen. Gleich eine Handvoll der Personenschützer benahm sich in Cartagena derart daneben, dass nicht nur der Ruf von Obamas Leibgarde gefährdet ist, sie zogen gleich auch noch eines der angesehensten kolumbianischen Hotels mit in den Abgrund. "El Caribe" - das war seit je her der Inbegriff für Tradition und Gastfreundschaft in der Stadt an der Karibikküste. Doch ein paar feuchtfröhliche Partys mit viel Alkohol und leichten Mädchen haben das Image zumindest international binnen weniger Stunden stark beschädigt.

Party mit Alkohol und Prostituierten

Sturzbetrunken warfen sich die Männer in den Hotelpool. Körperliche Unterstützung erhielten sie von einigen Prostituierten, die ein ordentliches Geschäft gewittert hatten. Das Ganze flog auf, als einer der Amerikaner für die Dienste der Frauen nicht bezahlen wollte. Das Chaos war perfekt als die Polizei auftauchte und sich plötzlich auf dem Hotelflur US-amerikanisches Sicherheitspersonal und kolumbianische Prostituierte, die aus anderen Zimmern herbeieilten, jeweils in der eigenen Landessprache gegenseitig beschimpften. Die Berichterstattung über den peinlichen Zwischenfall sorgt in den sozialen Netzwerken für bissige Kommentare, die Artikel über die Ereignisse führen die Rangliste der meist gelesenen Beiträge über den Amerika-Gipfel in den USA und Kolumbien an.

Das Fünf-Sterne-Hotel im Herzen der kolumbianischen Touristenmetropole ist seit den Verfehlungen der Gäste ins Visier der internationalen Medien geraten und seit dem ist nichts mehr wie es war im "El Caribe". Im Zentrum des Orkans steht Ana Beatriz Angel. Sie hatte während des Amerika-Gipfels zwar mit stressigen Tagen gerechnet, auf eine solche Medienlawine war die Pressesprecherin des Hotels aber nicht vorbereitet. Die Medien machten aus Cartagenas traditionsreichstem Hotel einen "Partyschuppen", mit ganz "eigenen Vorschriften für die Sicherheit" wie einige Nachrichtenagenturen vermeldeten. Fassungslos muss Ana Beatriz Angel nun die Schlagzeilen aus aller Welt lesen. Ausgerechnet der Vorsitzende des Heimatschutz-Ausschusses im Washingtoner Kongress, Peter King, hat so seine eigene Interpretation der Sicherheitsvorschriften des "El Caribe". Diese erlaubten den Gästen, Begleitungen über Nacht mitzubringen, allerdings müssen diese sich anmelden und das Haus bis sieben Uhr morgens wieder verlassen haben, erzählte es King den amerikanischen Zeitungen und Nachrichtenagenturen und machte aus dem "El Caribe" flugs ein Stundenhotel. Ana Beatriz Ángel muss zu all dem schweigen. Mit der geballten Faust in der Tasche antwortet sie auf alle Fragen mit dem gleichen Satz: "Diese Angelegenheit befindet sich in den Händen der Vereinigten Staaten." Weitere Kommentare gibt das Hotel nicht ab. Auch die Frage, ob das Haus Schadenersatzansprüche gegen die USA angesichts der Äußerungen Kings stelle, wollte Angel nicht kommentieren. Die ersten Rechtsanwälte haben sich in Cartagena allerdings schon vorgestellt.

Cartagena hat vor einigen Jahren ein ambitioniertes Projekt gestartet, um gegen Kinderprostitution vorzugehen. Die Registrierungspraxis in den kolumbianischen Hotels ist hinunter bis zu einer Zwei-Sterne-Herberge streng. Sie dient aber nicht zur Förderung der Prostitution, wie Peter King suggeriert, sondern zum Schutz der Gäste. Kein Besucher darf ein Hotelzimmer betreten ohne sich zuvor mit gültiger Identifikation wie Reisepass registrieren zu lassen. Damit soll verhindert werden, dass ungebetene Gäste Hotelzimmer leer räumen. Sollte sich ein Hotelgast entschließen, Besuch mit aufs Zimmer zu nehmen, dient die Registrierung auch zum Schutz des Gastes, mit der Registrierung der eingeladenen Person ist die Anonymität aufgehoben.

Auf die beteiligten Männer könnte nun ein Nachspiel zukommen. Sie wurden unter der Woche abgezogen und müssen in der Heimat nicht nur den Behörden, sondern auch den Ehefrauen und Freundinnen Rede und Antwort stehen. Jay Carner, Sprecher des Weißen Hauses erklärte, Präsident Barack Obama habe trotz des Zwischenfalles vollstes Vertrauen in seine Mitarbeiter. In den kolumbianischen Zeitungen gibt es wütende Kommentare der Leser. "Und wo bleibt das Image Cartagenas, am Boder oder im Bett?", wütet ein Leser in der Tageszeitung "El Tiempo".