Kraillinger Prozess

Der Mörder leugnet bis zum Schluss

Kraillinger Prozess: Thomas S. muss lebenslänglich ins Gefängnis

- Und wieder das Grinsen. Der Mann, der seine eigenen Nichten ermordet hat, verfolgt die Urteilsbegründung mit Kopfschütteln - und verzieht dabei seine Mundwinkel, wie er es schon am ersten Tag bei Verlesung der Anklage getan hatte. So als amüsierten ihn die Vorträge von Staatsanwalt und Richter, die ihm die Bluttat von Krailling bei München im Detail vorhalten. Er streitet den Mord an den Schwestern Chiara (8) und Sharon (11) ab. Für den Vorsitzenden Richter Ralph Alt ist jedoch klar: "Der Angeklagte hat beide Kinder heimtückisch ermordet. Er hat für die Tatzeit kein Alibi."

Der 51 Jahre alte Onkel der Mädchen muss für die Tat nun lebenslang ins Gefängnis. Das Gericht betonte die besondere Schwere der Schuld, was eine vorzeitige Freilassung nach 15 Jahren ausschließt. S. bestritt am letzten Prozesstag erneut die Tat. Der Doppelmord vom 24. März vergangenen Jahres hatte wegen seiner Brutalität bundesweit für Erschütterung gesorgt. Die elfjährige Sharon und die achtjährige Chiara waren im Schlaf von ihrem Angreifer überrascht worden, der sie mit einer Hantel, einem Messer und mithilfe eines Seils tötete. Über DNA-Spuren am Tatort geriet schon bald Thomas S. als Täter unter Verdacht. Mit dem Urteil folgte das Gericht der Forderung von Staatsanwaltschaft und den als Nebenkläger auftretenden Eltern. Die Verteidigung hatte auf eine eigene Strafmaßforderung verzichtet. Richter Ralph Alt sagte in seiner Urteilsbegründung, dass der 51-Jährige durch am Tatort hinterlassene Spuren überführt sei. "Zahlreiche Spuren lassen sich nach molekulargenetischer Auswertung eindeutig dem Angeklagten zuordnen."

Dabei handle es sich etwa um Blutspuren an einer ganzen Reihe von Stellen in der Wohnung - diese Blutspuren stammen den Ermittlungen zufolge von dem Todeskampf, den sich Sharon und Chiara mit ihrem Onkel lieferten. Alt sagte, S. habe zudem kein Alibi für die Tatzeit und außerdem durch seine "desolate finanzielle Lage" ein Motiv für die Tat gehabt. Dem Urteil zufolge wollte der Postbote nämlich außer den Kindern auch deren Mutter umbringen und dies dann als erweiterten Suizid aussehen lassen, wobei die Mutter zuerst ihre Kinder und dann sich selbst getötet hätte. So wollte S. laut Alt an das Erbe der Familie seiner Schwägerin kommen. S. bestritt die Tat bis zum Schluss. "Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass ich meine Nichten nicht getötet habe", sagte er vor den Plädoyers von Staatsanwaltschaft, den Nebenklägern und Verteidigern. Allerdings folgten auch seine Verteidiger den Darstellungen ihres Mandanten nicht. Sie verzichteten auf eine Strafmaßforderung und damit auch auf die nach den Beteuerungen ihres Mandanten eigentlich logische Forderung nach einem Freispruch. Die Verteidigung hatte S. geraten zu schweigen. Doch daran hielt er sich nicht.

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich mit dem Urteil ebenso wie die Nebenkläger zufrieden. Die Verteidigung kündigte dagegen an, "schnellstmöglich" Revision einzulegen. Diesen Auftrag habe ihm sein Mandant gegeben, sagte Verteidiger Adam Ahmed.