Medizin

Wie eine Mutter ihr Baby aus einem Sarg rettet

Argentinische Ärzte erklärten das Frühgeborene für tot

- "Ich berührte ihre winzigen kalten Händchen und das Köpfchen - und da entfuhr ihr ein kleiner Seufzer. Es war, als habe sie sich mir zugedreht und ,Mama' gesagt." Amalia Bouter blickt in die Kamera und erzählt weiter. "Ich habe dann erst gedacht, das sei meine Einbildung, aber es war mehr: Meine Tochter lebte."

Hinter der jungen Frau aus Resistencia, der Hauptstadt der argentinischen Provinz Chaco, liegt ein Albtraum. Ihre kleine Tochter lag nicht in einem Kinderbettchen in irgendeinem Krankenhaus, sondern in einem Sarg im Kühlhaus des Leichenschauhauses von Resistencia.

Begonnen hatte die Geschichte am 24. März, aber erst jetzt hat die argentinische Öffentlichkeit durch ein Interview mit der Mutter davon Notiz genommen. An jenem Tag war Amalia Bouter am Vormittag in das Hospital Julio Cecilio Perrando eingeliefert worden, die Geburt ihres Kindes zeichnete sich ab. Nach sechs Monaten, eine Frühgeburt. Sie kam in den Kreißsaal, bekam die Narkose. Nach der Entbindung rief das Krankenhaus ihren Mann an. "Ihm haben sie dann gesagt, dass das Baby zwar geboren sei, dann aber nicht überleben konnte", sagt sie. Ihr Mann habe die Ärztin gefragt, ob er das Kind noch einmal sehen könnte. Diese habe ihm aber geantwortet, dass das Baby schon in einen Sarg gelegt worden sei, der Deckel verschlossen, man könnte ihn nur direkt im Leichenschauhaus besuchen.

Während die Mutter in ein Zimmer gebracht wurde, musste ihr Mann Papiere ausfüllen. So war es dem jungen Ehepaar erst gegen 21.30 Uhr möglich, die Klinik zu verlassen, um sich - zwölf Stunden nach der Geburt - mit einem Besuch im Leichenschauhaus von ihrer kleinen Tochter zu verabschieden. Begleitet wurden sie dabei vom Bruder der jungen Mutter und von deren Schwager. Die Familie geht in das Kühlzimmer des Leichenschauhauses. Dort stehen sie vor einem kleinen, verschlossenen Sarg. Mit einem Messer machen sie ihn auf. Der kleine Körper des Kindes ist mit einem Plastiktuch zugedeckt. "Mein Mann ließ mich dann als Erste an ihn ran. Ich nahm die weiße Plastikhülle weg, die den ganzen Körper bedeckte. Ich berührte ihre winzigen kalten Händchen und das Köpfchen - und da entfuhr ihr ein kleiner Seufzer. Es war, als habe sie sich mir zugedreht und ,Mama' gesagt." Das Kind lebte.

Der Direktor des Hospitals, José Luis Meiriño, ist nun um den Ruf seiner Klinik besorgt. Er stellte die Einzelheiten des Falles dar. So sei das Kind drei Monate zu früh auf die Welt gekommen - "und noch im Mutterleib gab es kein Zeichen von Leben". Dennoch habe man die Geburt "normal" durchgeführt, um dann festzustellen, dass das Kind nach der Geburt tot gewesen sei. Danach sei das Kind noch von einem Spezialisten untersucht worden, der ebenfalls den Tod feststellte - fälschlicherweise. Das Personal, das bei der Geburt beteiligt war, wurde vom Dienst suspendiert. Das Gesundheitsministerium will den Fall nun untersuchen.