Dior

Wenn Mode zu Kunst wird

Dior beruft den 44-jährigen Belgier Raf Simons zum neuen Chefdesigner

- Das französische Modehaus Dior ernennt Raf Simons zum neuen künstlerischen Direktor. Der Belgier soll für die weiblichen Haute Couture- und Prêt-à-Porter-Kollektionen und die Damen-Accessoires zuständig werden, teilte Dior mit. Das Haus sei begeistert, mit Simons "eines der größten aktuellen Talente" der Modebranche zu empfangen.

Nur wenige Designer werden so beharrlich mit dem Wort "Avantgarde" assoziiert wie Simons. Dem 1968 im nahe Eindhoven liegenden Neerpelt geborenen Belgier merkt man an, dass er von der Designschmiede des Antwerpener Modemachers und Querdenkers Walter van Beirendonck geprägt wurde. 2011 kuratierte er mit großem Erfolg ein Avantgarde-Festival in Berlin. In der Modeszene zählte er schon vor seinem Debüt als Chefdesigner von Jil Sander 2005 zu den zukunftsweisenden Designern der Welt. Als "Exzentriker" jedoch, wie ihn der Luxus-Online-Shop "The Corner" bezeichnet, kann man den zurückhaltenden, äußerst höflichen Designer nicht bezeichnen.

Das traf eher auf seinen Vorgänger John Galliano zu. Der machte gerne aus seinen Schauen ein Spektakel mit theatralischen Roben. Simons hingegen paart seine Liebe zu Kunst, geometrischen Farbspielen und optischen Effekten, bei denen man verwundert zweimal hinschaut, mit klaren geraden Linien und so hervorragenden wie alltagstauglichen Schnitten.

"Ich fühle mich fantastisch", sagte der Designer der US-Zeitung "New York Times". Für Dior zu arbeiten, sei eine riesige Herausforderung, aber auch ein Traum. Die Marke stehe für absolute Eleganz. Dass der nun gekürte Simons auch für ein Traditionslabel hervorragend arbeiten kann, hat der 44-Jährige bei der Marke Jil Sander bewiesen. Nachdem ihm zu Anfang die treuen Sander-Jüngerinnen nicht ganz folgen wollten, gelangen ihm in den vergangenen Saisons beeindruckende, vielgelobte Kollektionen. Die Vorstellung der Wintermode 2012/13 wurde zu einem emotionalen Abschied, als klar war, dass Jil Sander (68) zu ihrer früheren Modemarke zurückkehrt und Simons von ihr abgelöst wird. 1995 hatte er als Quereinsteiger sein Modelabel gegründet. Der studierte Industrie- und Möbeldesigner war zum Kleiderentwerfen ermutigt worden von der legendären Linda Loppa, Leiterin der Modeabteilung der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Antwerpen.

Mit seinen Entwürfen verschaffte er modebewussten Männern Shirts, Anzüge und Mäntel, die korrekt geschneidert, doch niemals spießig wirkten. In den ersten Jahren versah der Designer seine Entwürfe zudem manchmal mit anarchistischen Botschaften. Seine Schauen inszenierte Simons als coole Moderituale. Bei Dior wird der Designer sicher an das Bild anknüpfen, was sein fast gleichaltriger Kollege Hedi Slimane dort vor Jahren für die Herrenmode gezeichnet hat: Entwürfe mit einem leichten Hang zum Abseitigen, eine präzise Formensprache und Modernität. Eben modische Avantgarde.