Speiseplan

Sarkozy sagt Käse den Kampf an

Frankreichs Präsident streicht die fetthaltige Köstlichkeit vom Speiseplan

- Wenn es um die sachgerechte Verbreitung von Klischees über unsere westlichen Nachbarn geht, steht das Essen häufig im Mittelpunkt. Briten und Deutsche - ansonsten eher selten Seite an Seite - lieben es beispielsweise, auf die Tatsache hinzuweisen, dass Franzosen Frösche essen. Der New Yorker Küchenchef Anthony Bourdain, ein Amerikaner mit französischen Wurzeln, nannte die Bewohner des Landes einst "Käse mampfende Kapitulationsexperten", und das war noch, bevor die Franzosen partout nicht an der Seite der Amerikaner in den Irak-Krieg ziehen wollten.

Bis zu einem gewissen Maß hat man sich die Klischees selbst eingebrockt. Halsstarrig halten unsere Nachbarn an der These fest, aus ihrem Land stamme alles, was schmecke. Doch nun erreicht uns aus dem Herzen der Nation, aus dem Elysée-Palast, eine Nachricht, die nicht nur Bourdains Worte Lügen straft, sondern das ganze Klischee auf einmal zusammenbrechen lässt: Präsident Nicolas Sarkozy hat genug vom Käsegenuss, er streicht nach Worten seines Küchenchefs Bernard Vaussion die recht fetthaltige Spezialität vom Speiseplan. Für Vaussion muss das ein Schlag aus dem Nichts gewesen sein - er beköstigt schon sein fünftes Staatsoberhaupt samt Entourage. Und auch wenn Charles de Gaulle selig dereinst grummelte, es sei nahezu unmöglich, ein Land zu regieren, das 246 Käsesorten kenne, so wäre es keinem Präsidenten je eingefallen, die Finger davon zu lassen. Bekannt ist, dass Nicolas Sarkozy ein Fitnessfreak ist, wie er den Franzosen bisher in ihrer gloriosen Geschichte noch nie unterkam. Das macht seine Abneigung gegen alles, was im Verdacht steht, Fett zu enthalten, nachvollziehbar. Und ein zünftiger Camembert oder Brie besteht nun einmal aus bis zu 80 Prozent des Dickmachers.

Hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich allerdings, dass Sarkozy nicht etwa von allein dem Ernährungswahn verfiel, sondern seine Frau Carla, eine gebürtige Italienerin, dem ebenso stolzen wie mächtigen Mann nicht nur die Schokolade austrieb, die er früher aß wie Brot.

Das jetzige Käseverbot soll sich darüber hinaus bei einem EU-Treffen im vergangenen Oktober angedeutet haben, auf Kosten der politischen Vertreterin unserer schönen Heimat. Als Angela Merkel sich beim Käse bediente, soll Sarkozy einem anderen Eurokraten die Worte "Das macht sie jetzt schon zum zweiten Mal, dabei hat sie noch erzählt, sie halte Diät" zugeraunt haben. Merkels Kommentar ist nicht überliefert, vielleicht ist das auch besser so, und zum Glück sind beide nicht adelig, denn das Zitat hätte sicherlich nach Satisfaktion verlangt.

Nicolas Sarkozy ließ jetzt vernehmen, dass es ihm nach Geflügel und rotem Fleisch gelüste, Hähnchen und Rindersteaks werden also künftig den Speiseplan dominieren. Wobei der Präsident seiner eigenen Politik auch schon wieder untreu geworden ist: Im Wahlkampf ließ er sich jüngst in einer Käserei ablichten. Auch von einem Fondue schwärmte er. Ein paar Kilo mehr für eine zweite Amtszeit stören Sarkozy nicht. Doch danach gilt bestimmt wieder die Kein-Käse-Politik.