Statuen

So groß ist Jesus

In Kolumbien wird eine Statue von 80 Metern Höhe gebaut - Polen hat das Nachsehen

- Germán Garrido denkt in großen Maßstäben. Ein gigantischer Jesus Christus ist dem Bauherrn aus Kolumbien nicht genug. Nein, es müssen gleich zwei riesige Statuen des Erlösers sein, die künftig seinen Freizeitpark schmücken sollen. In Palermo, einer Stadt im zentralkolumbianischen Bundesstaat Huila, wird derzeit geschraubt, gelötet und aneinandergeschweißt. Wenn alles fertig ist, dann soll hier die größte Christusfigur der Welt stehen, weithin sichtbar über dem Tal nahe den Anden. Exakt 80 Meter in die Höhe soll der Jesus von Huila ragen. Sein kleinerer Bruder misst dann etwa 60 Meter - und er liegt.

"Die Figur, die wir in Huila errichten, ist doppelt so groß wie die anderen", zitiert die Tageszeitung "El Tiempo" Garrido. "Es wird ein monumentales Bauwerk für die Katholiken sein. Wir werden den größten Christus der Welt haben." Die bislang größten Christusstatuen stehen in Polen und Bolivien. Zusammen mit der vergoldeten Krone erreicht die Statue im polnischen Swiebodzin eine Höhe von 36 Metern und wiegt mehr als 400 Tonnen. Bis vor Kurzem waren die Polen sicher, dass ihre im November 2010 fertiggestellte Christusstatue auf lange Zeit unerreicht bleiben wird.

Hunger nach Vergnügungsparks

Die Polen hatten mit ihrem Coup die bis dato berühmteste, aber nicht höchste Statue aus Rio de Janeiro vom Sockel gestoßen. Die vor 80 Jahren errichtete Skulptur "Cristo Redentor" ist 30 Meter hoch und steht auf einem acht Meter hohen Sockel. Sie gilt als Inbegriff der Jesusstatue. Als die Südamerikaner das Bauwerk einst auf den Berg Corcovado in den Tijuca-Wäldern im Süden der Stadt errichteten, waren internationale Touristen noch unbekannt. Das Monument sollte aus Anlass der hundertjährigen Unabhängigkeit Brasiliens errichtet werden. Als das Geld knapp wurde, griffen die Erzdiözese Rio de Janeiro, der Vatikan und Frankreich den Bauherren unter die Arme. Seit 1931 blickt "Christus der Erlöser" auf den Zuckerhut. Mittlerweile ist der Schauplatz auch ein katholischer Wallfahrtsort.

In Bolivien, wo das 34 Meter hohe Cristo-de-la-Concordia-Monument in Cochabamba steht, hat man derweil den Abstieg aus der Spitzengruppe der Jesusstatuen verkraftet. Die Statue in der viertgrößten bolivianischen Stadt versprühte ohnehin nur nationalen Charme. Zu übermächtig war die kontinentale Konkurrenz aus Rio de Janeiro, obwohl die 34,2 Meter hohe bolivianische Statue (plus sechs Meter Sockel) an reiner "Körpergröße" die brasilianische Variante sogar überragte. Immerhin kann der rund 2200 Tonnen schwere bolivianische Jesus von 1997 mit einer anderen Rekordmarke glänzen. Nirgendwo sonst befindet sich auf 2840 Meter Höhe eine ähnliche Skulptur. Imposante Zahlen, aber keine, die Garrido wirklich beeindrucken. Er plant einen Freizeitpark der Superlative, in dem die Besucher beten und sich vergnügen können. "Huilafrica" heißt der Ort, der neben Katholiken auch Extremsportler anlocken soll. Unter den Augen der gigantischen Jesusfigur sollen die Gäste Kajak fahren, klettern oder beim Paintball mit Farbpatronen aufeinander schießen können.

Das Konzept ist aus christlicher Sicht gewöhnungsbedürftig. Während bei den Projekten in Brasilien und Polen die katholische Kirche als treibende Kraft hinter dem himmlischen Wolkenkratzer stand, ist es in Kolumbien der schnöde Mammon, der den Investor antreibt. Das südamerikanische Land erlebt einen Wirtschaftsboom, die Mittelschicht wird immer breiter, und der Hunger nach Vergnügungsparks wächst.

Da die überwiegende Mehrzahl der rund 44 Millionen Kolumbianer katholisch und tiefgläubig ist, hat Garrido ein entsprechendes Konzept gebastelt. Neben den Attraktionen für Fans des Extremsports wartet der Park noch mit einer anderen Sehenswürdigkeit auf. Auch Klein-Ägypten entsteht zu Füßen Jesu Christi. Was der Mix aus afrikanischen und katholischen Elementen alles mit dem Christentum zu tun hat, fragten irritierte Kolumbianer und setzten sich kritisch mit dem unorthodoxen Mix auseinander: "Sie werden uns im Ausland auslachen", prognostiziert User "SoyUnBuenAteo" und fleht: "Geht das alles nicht auch ein bisschen normaler?"

Schon jetzt allerdings locken die Arbeiten täglich Dutzende Schaulustige an. In der Osterwoche, der Semana santa, wie die Lateinamerikaner die für gläubige Katholiken wichtigste Zeit des Jahres nennen, ist die Baustelle für den Publikumsverkehr geöffnet. Die Passanten sehen, wie die Bauarbeiter auf dem riesigen Kopf des "Jesus von Huila" wie kleine Spielzeugfiguren wirken. Das Stahlgerüst, das die Arbeiter in dieser Woche versuchen aufzurichten, lässt die Konturen der künftigen Figur erkennen. Geldgeber des Projekts ist übrigens der kolumbianische Erdölkonzern Ecopetrol. Das Gelände wird in diesem Jahr fertig werden, an Heiligabend sollen die ersten Besucher kommen. Die Bestmarke, die es dann zu schlagen gilt, beträgt inklusive Sockel 80 Meter.