Raumfahrt

Der Milliardär hätte gern eine Rakete

Amazon-Chef Jeff Bezos wandelt auf den Spuren James Camerons: Er will die Überreste der "Apollo 11"-Mission vom Boden des Atlantiks bergen lassen

- Über seine Tauchfahrt in den Marianengraben wolle er eine TV-Sendung und einen 3-D-Kinofilm veröffentlichen, kündigte Cameron, kaum wieder aufgetaucht, an. Bereits Ende dieses Jahres oder Anfang 2013 könne der Film fertig sein, gab der Mann, der "Titanic" und "Avatar" machte, zu Protokoll.

Oder Jeff Bezos wurde von Richard Branson gekitzelt. Dessen Unternehmen Virgin Galactic will "SpaceShipTwo" nach weiteren Testflügen möglicherweise noch in diesem Jahr mit Passagieren ins All schicken. In dem Raumflugzeug haben zwei Piloten und sechs Passagiere Platz. Die Reise kostet umgerechnet 150.000 Euro, jüngst machte das Projekt von sich reden, weil Hollywoodstar Ashton Kutcher ganz gern mitfliegen würde.

Ortung mit Sonargeräten

Nun also hat Bezos, Gründer des Online-Kaufhauses Amazon, beschlossen, die Überreste der Rakete von "Apollo 11" zu bergen, die in rund 4000 Meter Tiefe vor der Küste Floridas auf dem Boden des Atlantiks liegen. "Apollo 11" war jene Mission, bei der am 20. Juli 1969 Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond betraten. Die Saturn-V-Rakete gehört zum Kräftigsten, was der Mensch je entwickelte. Sie konnte einen Schub von umgerechnet 160 Millionen PS entwickeln. 111 Meter hoch war sie, und sie jagte jene Apollo-Raumschiffe in den Himmel, mit denen zwischen 1968 und 1972 insgesamt 27 Astronauten zum Mond flogen und zwölf davon auf ihm landeten.

Mit Sonargeräten, so schrieb Bezos jetzt in seinem Blog "BezosExpeditions.com", habe man die F-1-Triebwerke der ersten Stufe geortet, "wir prüfen, ob wir eines oder mehrere davon heraufholen können". Unklar sei, in welchem Zustand die Triebwerke sich befänden. Sie hätten über 40 Jahre im Salzwasser gelegen, "andererseits sind sie aus widerstandsfähigem Material".

Bezos, der sein "Apollo 11"-Projekt aus privaten Geldern finanzieren will, versicherte, dass die Triebwerke auch nach der Bergung im Besitz der US-Raumfahrtagentur bleiben werden. Er gehe davon aus, dass die Nasa die Triebwerke anschließend in Museen öffentlich ausstellen lasse. Seine Begründung, "damit die Öffentlichkeit sie sehen könne", muss sich indes auf den besonderen Reiz beziehen, genau die Raketenmotoren der ersten Mondlande-Mission betrachten zu können. Ansonsten sind die F-1-Triebwerke längst für alle Interessierte zu sehen. Allein zwei komplette Saturn V sind im Museum auf dem Marshall Space Flight Center zu betrachten. Eine in der Halle liegend, bei der man sich, ein wenig auf den Zehenspitzen stehend, so ähnlich hinter den Raketenmotoren postieren kann wie dies der Konstrukteur der Rakete, Wernher von Braun, auf dem Bild vorführt. Auf dem Freigelände steht sie dann noch einmal in ihrer vollen Senkrechten, ebenfalls mit den Motoren. Weitere Raketen desselben Typs sind im Johnson Space Center in Houston (Texas) und im Kennedy Space Center in Florida ausgestellt - Raketen, die nicht mehr gebraucht wurden, nachdem das Scheitern von "Apollo 13" dazu geführt hatte, dass die Nasa auf die geplanten Missionen "Apollo 18" bis "20" verzichtete.

Der wahre Grund, in die Tiefe zu tauchen, dürfte daher wohl in dem Hinweis in Bezos' Blog versteckt sein: "Ich sah ,Apollo 11' im Fernsehen, und das hat stark zu meiner Leidenschaft für Wissenschaft, Ingenieurwesen und Entdeckungen beigetragen" - und wohl sicher auch zum Jugendtraum des kleinen Jeff, einmal das anfassen zu dürfen, was er damals nur im Fernsehen sehen durfte.

Gute Chancen für Bergung

Die Chancen, dass die Triebwerke noch gut erhalten sind, stehen nicht einmal schlecht. Sie wären ja nicht die ersten Relikte aus der Zeit des Wettlaufs zum Mond, die vom Meeresgrund hinaufgeholt würden. Die "Liberty Bell"-Kapsel, in der der zweite US-Astronaut Virgil Grissom 1961 in den Weltraum gestartet war, sank nach der Landung auf 4800 Meter Tiefe und hätte Grissom fast mit hinabgerissen. 1999 konnte man sie bergen, heute erstrahlt sie in einem Museum in Kansas.

Auch wenn heute schon mehrere F-1-Triebwerke zu sehen sind, so spricht doch vieles dafür, auch die anderen zu bergen. Eine jahrzehntelange Entwicklung steckt schließlich in der Produktion der Rakete, die auch nach Meinung der heutigen Nasa-Verantwortlichen für die Mondfahrt entscheidend war (und nicht die Apollo-Kapsel oder das Landefahrzeug). Und bei aller Kraft, die die fünf F-1-Triebwerke aufwandten, durfte die gesamte erste Stufe, an der die Triebwerke hängen und die die Hälfte der gesamten Raketenlänge ausmacht, nur die ersten 150 Sekunden mitfliegen. Dann stürzte die Stufe ins Meer, auf Nimmerwiedersehen. Das hat sie nicht verdient. Und Mr. Bezos bekommt eine Menge schöner Reklame.