Würzburg

Deutschlands älteste Pizzeria wird 60

Nein, die Pizza hat er nicht nach Deutschland gebracht. Das betont Nicolino di Camillo immer wieder. Aber ein Stück weit stolz ist er schon, die erste Pizzeria des Landes gegründet zu haben.

Dabei nannte sich das Lokal, als es Ende März 1952 in der Würzburger Elefantengasse seine Pforten öffnete, Bier- und Speisewirtschaft "Sabbie di Capri" (Sand von Capri). Der Name sei gewählt worden, weil sich Capri auf Deutsch, Englisch und Italienisch genauso ausspreche, wie er geschrieben werde, sagt der heute 90-Jährige.

Ursprünglich aus den Abruzzen stammend, kam er nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 mit den Alliierten nach Deutschland und arbeitete zunächst in Nürnberg in einem Country Club als Küchenhelfer. Dort war Pizza unter den Soldaten besonders begehrt, wobei sie sich stark von dem unterschied, was er aus seiner Heimat gewohnt war. Während dort nämlich die dünnen, spärlich mit Tomaten und etwas Kräutern belegten Teigfladen dazu dienten, die ideale Temperatur der Gemeindeöfen zum Brotbacken zu ermitteln, mochten es die Amerikaner üppig. "Da kam fast alles drauf, was im Kühlschrank war", erinnert er sich.

Di Camillo war ob seines italienischen Akzents bei den Gästen beliebt. Als er die in Nürnberg am Opernhaus tanzende Janine Schmitt aus Würzburg kennenlernte, kam ihm die Idee, dort eine Pizzeria zu eröffnen. Tatsächlich gelang es seinem späteren Schwiegervater, in der beinahe komplett zerstörten Mainmetropole ein Haus in der Elefantengasse ausfindig zu machen.

Für die Würzburger war der italienische Teigfladen zunächst unbekannt und unerschwinglich. "Damals hat ja keiner gewusst, was Pizza ist. Inklusive meiner Person", sagt die 80-jährige Janina di Camillo. Am schwierigsten sei die Warenbeschaffung gewesen. Ihr Mann erzählt von Spaghetti-Einkäufen in Hamburg, die Packung für 3,50 D-Mark. Den Parmesan besorgte er im Münchner Großmarkt, ein Rad kostete damals 800 D-Mark.

Dank der Amerikaner blühte das "Capri" auf: "Es war proppevoll, die GIs standen Schlange", sagt di Camillo. Um bekannt zu werden, veranstaltete das Wirtsehepaar kostenlose Pizza-Partys. Bei der Gelegenheit erfand er nach eigenen Angaben auch den heute überall verbreiteten Pizzakarton. "Es gab ja keine Alufolie. Da dachte ich mir: Mein Vater hat Schuhe im Karton verkauft, warum soll ich das nicht auch mit Pizza machen?"

Mit der Zeit trauten sich auch immer mehr Einheimische ins "Capri" und später die blaue Grotte im Keller. Die wurde eingebaut, nachdem das Ehepaar tatsächlich einmal auf Capri war. "Die ersten Deutschen waren ein Rechtsanwalt und junge Damen, die mit den Amerikanern kamen", erzählt di Camillo. 1971 verpachtete das Ehepaar das "Capri" an den Bruder des Gründers und eröffnete eine andere Pizzeria in der Innenstadt, 1984 zogen sie sich dann auch dort zurück.