Moshammers Hinterlassenschaften

Ein Leben wird verkauft

Der abgedunkelte Auktionsraum ist nicht einmal mehr halb gefüllt an diesem Sonnabendnachmittag, als die Auktionatorin Sophia La Rosée verkündet: "Und nun kommen wir zur Moshammer-Versteigerung." Die paar Anwesenden, meist graumelierte Herren in zerknitterten, beigefarbenen Sakkos, haben nur noch ein müdes Gähnen übrig.

Die wirklich interessanten Objekte sind bereits in den Vormittagsauktionen unter den Hammer gekommen, die Antiquitätenkenner sind schon lange ausgeflogen und neugierige Moshammer-Fans hat die Versteigerung im Hause Hampel auch nicht anlocken können.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass die meisten ihre Neugierde schon eine Woche zuvor befriedigt haben, als die "Hundskugel" ihre Pforten zur Auktionsbesichtigung öffnete. Die "Hundskugel" ist, oder besser gesagt war, Münchens ältestes Wirtshaus. Ab 1983 betrieb der Modezar und Paradiesvogel Rudolph Moshammer das Gasthaus, über dessen Wirtsstube er sich private Räume einrichtete. Ebenso extravagant wie seine kleine Wohnung ließ der Erfinder der Münchner Schickeria auch die Wirtsstube einrichten: großzügige Holzbänke, schön verzierte Deckenvertäfelungen und Bleiglasfenster im Art-déco-Stil.

All das ist nun für einen guten Zweck unter den Hammer gekommen. Bevor es so weit war, öffnete das Auktionshaus Hampel noch einmal das Wirtshaus und die Privaträume des Modezaren, um Interessenten eine Vorbesichtigung zu ermöglichen. Da strömte halb München in die Hotterstraße, um einmal zu gucken, wie "der Mosi" denn so gelebt hatte. Auch wenn der stets zu stark geschminkte Designer, der nie ohne seine Hundedame Daisy vor die Tür ging, außerhalb der bayerischen Hauptstadt oft verspottet wurde - in München hatte Moshammer eine treue Fangemeinde.

2005 starb Moshammer in seiner Villa in Grünwald. Er wurde von einem Stricher ermordet, den er in seine Wohnung mitgenommen hatte. Nach dem Liebesspiel gab es Streit ums Geld, der Stricher erdrosselte den weltbekannten Designer mit einem Kabel. Als er beerdigt wurde, begleiteten Hunderte Menschen den Trauerzug von seinem Geschäft in der Maximilianstraße bis hin zum Ostfriedhof. Viele der Trauernden waren Obdachlose, für die Moshammer sich besonders einsetzte.

Doch nun, sieben Jahre später, ist die tragische Geschichte um seinen Tod beinahe alles, was von der Kunstfigur Rudolph Moshammer übrig geblieben ist. Die Ausstattung seiner Privaträume kam jedenfalls für einen Spottpreis unter den Hammer. "Das ist schon fast beschämend", sagt Robert Stich aus Augsburg. Der 66-Jährige hat einen hölzernen Dielenschrank, die Deckenvertäfelung, zehn Bleiglasfenster und geschnitzte Einbauregale ersteigert - für insgesamt 400 Euro. Seine Lebensgefährtin Karin Wurster, bekennender Mosi-Fan, vergewissert immerhin: "Wir werden die Sachen in Ehren halten."

Für die Wirtsstube wollte niemand etwas bieten, nicht einmal 100 Euro.

Robert Stich jedenfalls weiß schon, was mit seinen Errungenschaften geschieht: Er will Moshammers Ausstattung nun in eine Ferienwohnung auf Rügen einbauen.