Ertrunken nach Kokain-Konsum

Die Akte Whitney Houston wird geschlossen

Es ist eine dieser Geschichten, die man nicht in fünf Minuten erzählen kann und die dennoch in einer kurzen Nachricht enden. Diese heißt: "US-Sängerin Whitney Houston ist Gerichtsmedizinern zufolge ertrunken. Zudem hätten eine Herzerkrankung und der Gebrauch von Kokain eine Rolle beim Tod der Künstlerin gespielt, hieß es weiter. Die 48-Jährige war am 11. Februar in einem Hotelzimmer in Kalifornien tot aufgefunden worden." Damit enden die Ermittlungen zum Todesfall Houston.

Die Geschichte, die zum Tod der Sängerin führte, muss wahrscheinlich schon 1992 beginnen. Damals, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, kurz nach dem Film "Bodyguard", heiratete sie den R'n'B-Sänger Bobby Brown, von dem sie 1993 auch ihre Tochter Tochter Bobbi Kristina bekam. Er soll ihr Anfang vom Ende gewesen sein. 15 Jahre lang waren die beiden ein Paar. Man sah sie immer wieder zerstritten, halb getrennt, halb zusammen, man sah sie vor allem oft sichtlich unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol. Man sah Houston erschreckend dünn auf der Bühne, man sah Interviews im Fernsehen, in denen sie sichtlich berauscht keinen einzigen Satz sinnvoll zu Ende bringen konnte. Trotz zahlreicher Entzugsversuche kam Houston nicht von den Drogen los - und lange auch nicht von ihrem Mann.

Das Ergebnis kam sehr schnell

Nun war ihre Drogensucht laut Obduktionsbericht wie so oft vermutet auch Schuld an ihrem Tod. Über die Menge an Kokain im Körper von Whitney Houston machten die Gerichtsmediziner in Los Angeles keine Angaben. Aber sie ließen keine Zweifel daran, dass die Droge für den Tod der Sängerin mitverantwortlich war. "Wir wissen, dass sie eine Herzkrankheit hatte und dass sie chronisch Kokain konsumierte. Wenn es diese beiden Faktoren nicht gegeben hätte, wäre sie wahrscheinlich nicht in der Badewanne ertrunken", sagte Craig Harvey, Sprecher der Gerichtsmedizin.

Kurz vor dem Ertrinken in der Badewanne einer Hotelsuite in Beverly Hills muss Houston noch zu Kokain gegriffen haben, wie die Obduktion den Angaben zufolge ans Licht brachte. Sie war eine "chronische" Drogenkonsumentin, so Harvey. In Kombination mit verengten Gefäßen durch eine arteriosklerotische Herzerkrankung habe das zum Kollaps geführt, möglicherweise durch einen Herzanfall, der im Wasser tödlich endete. Dass auch noch Spuren von Marihuana, Beruhigungsmitteln, muskelentspannenden Pillen und anderen Medikamenten in Houstons Körper gefunden wurden, war eher Nebensache. Diese Mengen seien zu gering gewesen, um den Tod der 48-Jährigen herbeizuführen, erklärte Harvey.

Nach dem Tod von Michael Jackson im Juni 2009 mussten seine Angehörigen und Fans zwei Monate auf den Autopsiebericht warten. Eine "akute Vergiftung" mit dem Narkosemittel Propofol kostete dem "King of Pop" das Leben, befanden die Gerichtsmediziner damals. Die traurige Wahrheit über Houstons Tod kam innerhalb von knapp sechs Wochen. Das Ergebnis dieser Autopsie sei keine "echte Überraschung" gewesen, sagte Harvey.

Obwohl Houston in den letzten zehn Jahren mehr mit Alkohol und Drogen als mit Musik und Filmen, mehr mit Entziehungskuren als mit Hits Schlagzeilen gemacht hatte, war die Todesnachricht ein Schock. Augenzeugen beschrieben, dass die Künstlerin noch Tage zuvor munter und fröhlich mit ihrer Tochter im Hotelpool gebadet habe.

Bei der Gospel-Trauerfeier für Houston eine Woche nach ihrem Tod war Angehörigen und Promi-Gästen wie Kevin Costner, Mariah Carey und Stevie Wonder der Schock noch anzusehen.

Einen Monat nach dem Tod zollte Bobbi Kristina ihrer Mutter in einem Fernsehinterview Tribut. "Sie war nicht nur eine Mutter, sie war eine beste Freundin, sie war wie eine Schwester", sagte sie der Talk-Moderatorin Oprah Winfrey. In der letzten Nacht vor Houstons Tod habe sie noch in den Armen ihrer Mutter geschlafen.

Alkohol, Drogenmissbrauch und Entzug waren die Kehrseite von Houstons glanzvoller Karriere mit Hits wie "I Will Always Love You". 2002 hatte sie ihre Suchtprobleme erstmals öffentlich eingestanden. Auf die Frage der TV-Journalistin Diane Sawyer, ob Alkohol, Marihuana, Kokain oder Pillen ihr Problem seien, sagte Houston, sie habe zeitweise alles auf einmal eingenommen. "Ich bin keine Person, die sterben will. Ich bin eine Person, die Leben in sich hat und die leben will", beteuerte Houston.

Zuletzt soll sie 2011 auf Entzug gegangen sein. Sie werde wegen Alkohol- und Drogenproblemen behandelt, teilte ihre Sprecherin im vorigen Mai mit. "Whitney nimmt freiwillig an dem Programm teil, um damit ihren langjährigen Genesungsprozess zu unterstützen", hieß es damals in einer Erklärung.

Ist die Akte Houston nun also wirklich geschlossen? Nun noch nicht ganz. Bobby Brown, der Mann, der angeblich an allem Schuld sein soll, will den Tod der Popdiva vermarkten und hat ein Script über ihr Leben geschrieben. Das versucht er laut "RadarOnline" jetzt an die großen Hollywood-Studios zu verkaufen. Schon im letzten Jahr schickte Brown das Drehbuch zu "The Bad Boy of R&B: The Bobby Brown Story" an potenzielle Käufer - niemand wollte zuschlagen. Nach dem Tod Houstons sieht er aber jetzt seine Chance, endlich das Script verkaufen zu können. Glaubt man einer bislang ungenannten Quelle, will er nun umschreiben, um auch den Tod Whitney Houstons zu verwerten.

Das Testament der Sängerin ist unterdessen bereits verlesen worden - ihre einzige Tochter Bobbi Kristina erbt alles. Doch niemand weiß, wie viel das ist.

Und auch nicht, ob es die Tochter der verstorbenen Sängerin wirklich glücklich machen kann. Denn Bobbi Kristina war bereits mehrfach auf Fotos zu sehen, die den Konsum von Kokain und Marihuana nahelegen - die einschlägigen US-Medien haben diese Aufnahmen natürlich auch immer wieder abgebildet. Auch von einer Abhängigkeit von Tabletten wurde berichtet. Sie soll die Drogen beim gleichen Dealer gekauft haben wie ihre Mutter. Das US-Magazin "National Enquirer" berichtete, Mutter und Tochter hätten im vergangenen Jahr eine gemeinsame Entziehungskur gemacht - erfolglos.

"Sie war eine chronische Drogenkonsumentin"

Craig Harvey, Sprecher der Gerichtsmedizin in Los Angeles