Queen

Hochamt in Beige

Es war eine bewegte Versammlung, die sich gestern eingefunden hatte in der Westminster Hall, dem ältesten Teil des ursprünglichen Palasts von Westminster, bereits von Edward dem Bekenner im elften Jahrhundert konzipiert.

An diesen Ort, an die Scharnierstelle zwischen Demokratie und Monarchie, hatten beide Häuser des Parlaments das Staatsoberhaupt und den Herzog von Edinburgh eingeladen, um der Queen im Jahr ihres diamantenen Thronjubiläums zu huldigen. "Loyal addresses" nennt man diese Ergebenheitsadressen des Parlaments, Ausdrucksformen der Wertschätzung. Elizabeth II. erschien im sanften Beige eines Frühlingsmantels, dazu der passende Hut, und schritt im gemessenen Gang ihres Alters, mit Prinz Philip aufrecht wie ein Grenadier an ihrer Seite, an den Sitzreihen der Parlamentarier, darunter auch die Ex-Premiers Blair und Brown, vorbei, die steinernen Treppen hoch zu ihren Sesseln, wo sie und ihr Mann Platz nahmen. Es war fast auf den Monat genau zehn Jahre nach einer ähnlichen Zeremonie 2002, im Jahr des goldenen Thronjubiläums.

Damals hatte die Monarchin in ihrer Dankesrede vor allem auf den enormen Wandel abgehoben, den Großbritannien in den fünfzig Jahren ihrer Thronzeit durchlebt hatte, und dabei auf die "britischen Werte" hingewiesen, die ihre Meinung nach diesen Wandel überdauert hatten.

Der Tenor war diesmal leichter, fast heiter, gespickt an einigen Stellen mit einem Humor, den man der Monarchin nachsagt, ohne dass sie häufig die Gelegenheit ergreift, ihn zu zeigen. Sie dankte für die Einladung, wobei sie das Parlament als "den unerschütterlichen Eckpfeiler unserer Verfassung und unserer Lebensart" bezeichnete. Sie dankte aber auch, unter dem Lachen der Anwesenden, für die "vergnügliche Pflicht", dass sie es seit ihrer Thronbesteigung "nach letzter Zählung mit zwölf Premierministern zu tun hatte". Anders als 2002 hob sie diesmal eigens ihren Gatten, Prinz Philip, hervor, "der sehr dafür bekannt ist, Komplimente jeder Art abzulehnen": Er sei in all den Jahren "dauerhafte Stärke und Leitbild" für sie gewesen.

Mit der Dialektik von Wandlung und Kontinuität ging die Queen fast spielerisch um, als sie auf ihre Ururgroßmutter Victoria zu sprechen kam, die 1897 als erster Monarch in der britischen Geschichte ein diamantenes Thronjubiläum hatte begehen können, "In einer Zeit," so sagte sie mit schelmischer Untertreibung, "in welcher der regelmäßige, würdige Rhythmus des Lebens weniger auffällt, als wenn jemand etwas Außerordentliches zustande bringt, beruhigt mich der Gedanke, dass ich erst das zweite Staatsoberhaupt bin, das ein diamantenes Jubiläum feiern kann."

Ihre glücklichen Beziehungen zum Parlament gingen "weit über die mehr als dreieinhalbtausend Gesetze hinaus, die ich unterzeichnet habe", fügte Elizabeth unter beifälligem Lachen hinzu. Und gratulierte sich dazu, so viele junge Parlamentarier begrüßen zu können.

Wie schon 2002 hob die Queen die Bedeutung freiwilliger Dienste hervor, "von Millionen von Menschen, die sich für das Allgemeinwohl einsetzen". Sie endete mit einem Loblied auf "die Kontinuität unserer nationalen Erzählung und die Tugenden der Unverwüstlichkeit, des Einfallsreichtums und der Toleranz, die diese Erzählung möglich machten". Den letzten Satz reservierte sie für das Versprechen, sich erneut dem "Dienst an unserem großartigen Land und seinen Menschen" zu widmen. Die fast 86-Jährige wurde mit Ovationen im Stehen belohnt. Die Parlamentarier hatten sich ein großartiges Geschenk für ihren Gast ausgedacht - es wurde während der gestrigen Zeremonie enthüllt: ein riesiges Bleiglasfenster aus 1500 Einzelteilen, gestaltet von John Reyntiens, einem namhaften Künstler in dieser seltenen Disziplin. Als Motiv waren das Wappen der Königin sowie eine Anzahl heraldischer Symbole gewählt worden. Das Fenster wird die Nordwand der Westminster Hall schmücken, wo bisher einfaches Glas ungefiltert Licht in das Innere einlässt. Es wird damit das Buntglas-Ensemble dieser Halle komplettieren, deren Südwand ein Fenster mit dem Wappen von Elizabeth' Vater, König George VI., abschließt. Vater und Tochter demonstrieren damit das Motiv der dynastischen Kontinuität auf der ästhetischen Ebene.

Baronin D'Souza, die Sprecherin des Oberhauses, sowie John Bercow, der "Speaker" im House of Commons, hatten die Queen begrüßen dürfen. Bercow glänzte mit Vergleichen zwischen dem England anno 1952 und dem von heute, seiner vielrassigen Gestalt. Er sprach von der "Kaleidoskop-Queen, in einem Kaleidoskop von einem Land, einem Kaleidoskop eines Commonwealth". Seine Pointe entlieh er von Mahatma Ghandi und dessen Aperçu, dass der beste Weg, sich zu finden, der sei, sich an andere zu verlieren. An die Queen gewandt, knüpfte er an: "Da muss sich Eure Majestät in den letzten sechzig Jahren unzählige Male gefunden haben." Es war das Kompliment aller Komplimente, an eine Frau, in der nach allgemeiner Auffassung Dienst und Kontinuität zu einer seltenen Eintracht verschmelzen.