Ehrentitel

Maschmeyers Doktorspiele

Die Vita des Unternehmers und Buchautors ("Selfmade. erfolg reich leben") Carsten Maschmeyer schmückt ein zwar völlig legaler, dafür jedoch höchst umstrittener Titel.

Der Gründer des Finanzdienstleisters AWD wird auf der Homepage seiner aktuellen Beratungsfirma MaschmeyerRürupAG neben dem Rentenexperten "Professor Dr. Dr. h. c. Bert Rürup" als "Dr. h. c. Carsten Maschmeyer" vorgestellt - die beiden Buchstaben "h. c." stehen für "honoris causa" und kennzeichnen die Ehrendoktorwürde Maschmeyers.

Dieser Titel überrascht mit Blick auf Maschmeyers Biografie: Denn der niedersächsische Unternehmer mag in vielerlei Hinsicht Erfolg gehabt haben - von wissenschaftlichen Meriten ist jedoch nichts bekannt. Sein Medizinstudium hat er nach eigenem Bekunden aufgrund zu vieler Fehlzeiten abgebrochen.

Akademische Titel werden besonders kritisch beäugt, nachdem im vergangenen Jahr in den Dissertationen mehrerer Politiker Plagiate aufflogen. Die meisten Doktoren legen großen Wert darauf, dass sie für ihren Titel jahrelang wissenschaftlich auf höchstem Niveau schuften mussten.

Maschmeyers Fall zeigt jedoch, dass es auch ohne wissenschaftliche Spitzenleistungen geht. Der h. c. kam schon mehrmals ins Gerede. So verlieh etwa die Humboldt-Universität Berlin einen solchen Titel den Künstlern und Reichstagsverhüllern Christo und Jeanne-Claude als Anerkennung für ihr Gesamtwerk. Bei einem solchen Titel geht es eben nicht immer um einen akademischen Nachweis.

Maschmeyer bekam seinen Titel 2009 von der Universität Hildesheim als Anerkennung seiner "ausgezeichneten Verdienste um die Förderung der Wissenschaften". Dieser Passus war erst im Juli 2008 in die Promotionsordnung aufgenommen worden - wenige Monate nach einer Spende Maschmeyers an die Uni in Höhe von 500.000 Euro, wie die Berliner Morgenpost erfuhr. Mit der Passus-Änderung wollte die Hochschule nach eigenen Angaben "ein Mittel schaffen, um eine Kultur der Anerkennung zu stärken", wie die Universität mitteilte. Uni-Präsident Wolfgang-Uwe Friedrich weist darauf hin, dass "nur rund drei Prozent des deutschen Spendenaufkommens der Wissenschaft zugute kommen".

Die Wissenschaftswelt tut sich schwer mit dem Ehrendoktortitel, den die Allgemeinheit oft mit einem normalen Doktortitel verwechselt. Eine bundesweite Vorgabe gibt es allerdings nicht. Das Promotionsrecht liegt bei den jeweiligen Fakultäten. Die Technische Universität Braunschweig versichert etwa, für einen Ehrendoktor seien "wissenschaftliche oder wissenschaftsadäquate Leistungen" vorzuweisen, bestätigt durch zwei externe Gutachten. Die Hochschulrektorenkonferenz hat sich bereits in den 90er-Jahren mit Ehrendoktortiteln beschäftigt. Ihre Empfehlung, die immer noch gilt, war eindeutig: "Der Grad des Dr. h. c. wird aufgrund wissenschaftlicher Leistungen verliehen."