Deprivation

Selbstmord-Welle unter russischen Kindern

Die seit Jahresbeginn anhaltende Welle von Selbstmorden unter Kindern in Russland hat sich fortgesetzt.

Vergangene Woche seien in verschiedenen Städten drei Minderjährige im Alter zwischen zehn und 13 Jahren tot aufgefunden worden, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf örtliche Ermittlungsbehörden. Alle drei hätten sich erhängt.

Den Angaben zufolge wurde am 8. März ein elfjähriger Junge in einem Dorf in der Region Tuwa im Süden Sibiriens tot an einem Strang entdeckt. Ein zehnjähriges Kind sei zwei Tage später im Gebäude einer Kinderhilfseinrichtung in der zentralrussischen Region Kirow gefunden worden. Das Kind einer Alkoholikerin habe auf der Straße gelebt und sei drei Tage vor seinem Selbstmord in die Einrichtung gebracht worden. In einer Straße in Krimsk in der südrussischen Region Krasnodar erhängte sich den Behörden zufolge ein 13-jähriger Junge. Allein im März wurden nach Medienberichten bereits acht Selbstmorde von Kindern in Russland gezählt, im Februar hatten sich ebenfalls mindestens acht Minderjährige das Leben genommen. Russland ist in Europa das Land mit der höchsten Selbstmordrate bei den 15- bis 19-Jährigen. Nach offiziellen Angaben töten sich jedes Jahr 1500 Jugendliche dieser Altersgruppe, bei den zehn- bis 14-Jährigen sind es 200 pro Jahr. Laut dem Kinderhilfswerk Unicef leiden 20 Prozent der russischen Jugendlichen unter schweren Depressionen, in westlichen Ländern sind es fünf Prozent.