Forschung

David Cameron taucht ab

Der Regisseur der Kultfilme "Titanic" und "Avatar", James Cameron, will für Filmaufnahmen zum tiefsten Punkt der Weltmeere tauchen. Der Kanadier werde in den kommenden Wochen alleine in einem U-Boot in den Marianengraben im Pazifik abtauchen, teilte das Institut National Geographic auf seiner Website mit.

National Geographic unterstützt die Mission mit der "Deepsea Challenger" des 57-jährigen Regisseurs. Er will als erster Mensch seit mehr als 50 Jahren den tiefsten Punkt des Marianengrabens, Challenger Deep, erreichen.

1960 erreichten zwei Besatzungsmitglieder des U-Boots "Trieste" der US-Marine als erste - und bislang letzte - Menschen den in elf Kilometer Tiefe liegenden tiefsten Punkt der Erdkruste. Sie konnten jedoch nur 20 Minuten lang dort bleiben. Zudem war ihre Sicht durch Schlick, der beim Aufsetzen am Meersgrund auf die Scheiben des U-Bootes spritzte, behindert.

Cameron will nun in dem von ihm selbst entworfenen, acht Meter langen Unterwasserboot "Deepsea Challenger" bis zu sechs Stunden lang am tiefsten Punkt der Weltmeere verweilen. Für die Filmaufnahmen will er mehrere hochauflösende 3-D-Kameras verwenden, wobei starke LED-Leuchten die Sicht auf die ansonsten völlig im Dunkeln liegende Unterwasserwelt ermöglichen sollen. Das U-Boot kann senkrecht abtauchen.

Der Bau des U-Bootes dauerte acht Jahre. Dank eines speziellen Schaumstoffes ist es mit einem Gewicht von zwölf Tonnen zwölfmal leichter als sein Vorgänger von 1960. Auf Komfort muss Cameron während des Trips verzichten: Auf seinem Weg nach unten muss er sich sogar in ein nur 109 Zentimeter breites Cockpit quetschen, in dem er seine Arme und Beine nicht ausbreiten kann. "Man kommt fast nicht rein", sagte Cameron in einer Videobotschaft auf der National-Geographic-Website über das U-Boot. "Und dann bekommt man noch eine 23 Kilogramm schwere Ausrüstung in die Hand gedrückt."

Der Marianengraben erstreckt sich über eine Länge von 2550 Kilometern im Pazifik. Am tiefsten Punkt Challenger Deep könnte der höchste Berg der Welt, der 8850 Meter hohe Mount Everest, vollständig versenkt werden.

In der Tiefe des Marianengrabens im Pazifischen Ozean ist es wegen der enormen Tiefe stets dunkel und es herrschen eisige Temperaturen sowie ein enormer Wasserdruck. Bei einem Probetauchgang vor der Küste von Papua-Neuguinea am Dienstag erreichte Cameron laut National Geographic bereits eine Rekordtiefe 8,2 Kilometern: Er gelangte so weit hinunter wie kein anderer Mensch vor ihm im Solo-Tauchgang.

Der Regisseur verwies in seiner Botschaft auf die Schwierigkeiten der Mission. "Wenn man einen Film macht, haben alle das Drehbuch gelesen", sagte er. "Aber wenn man eine Expedition macht, hat der Ozean kein Drehbuch gelesen, und niemand weiß, was als nächstes passieren wird."

James Cameron ist nicht der einzige Prominente, der in die tiefsten Tiefen abtauchen will. Der britische Milliardär und Abenteurer Richard Branson baute bereits einen Zweisitzer, der seinen Angaben zufolge zum Challenger Deep tauchen kann. Im vergangenen Jahr stellte zudem die Firma Triton Submarines ein Modell vor, mit dem angeblich drei Menschen gemeinsam zum tiefsten Punkt reisen können.