Testament

Whitney Houstons Vermächtnis

Manche Erbschaft hat sich schon als Danaergeschenk erwiesen. Im Falle der Hinterlassenschaft von Whitney Houston muss man kein Prophet sein, um auf ein düsteres Ende zu sehen: Was die Sängerin vererbt, Schulden oder Vermögen, ist nicht leicht zu sagen, und die verschiedenen Quellen ergehen sich in verschiedenen Mutmaßungen.

Das US-Portal TMZ beziffert das Vermögen von Houston auf 20 Millionen Dollar, in anderen Quellen heißt es, die Sängerin sei pleite gewesen und hinterlasse Schulden.

Sicher aber ist seit Mittwoch immerhin, wer erben wird, was Houston besaß: In ihrem Testament, das in der Sendung "Inside Edition" in Auszügen veröffentlicht wurde, verfügte sie, dass sie ihren "ganzen Haushalt mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen", außerdem "Immobilien, die voll oder zeitweise von mir genutzt wurden, sowie alle meine Kleider, persönliche Gegenstände, Schmuck, Autos und Versicherungspolicen" ihren leiblichen Kindern hinterlassen wird. Damit ist nun sicher, dass Houstons Tochter Bobbi Kristina ihre alleinige Erbin sein wird. 19 Jahre alt und gerüchteweise ebenfalls, wie die Mutter, schwer drogenabhängig.

Unsicher ist zwar, wie viel Geld noch übrig ist von dem, was Whitney Houston verdient hat. Ziemlich sicher aber ist, dass sie viel, viel Geld verdient hatte. Ihre Platten haben sich in ihrer Lebenszeit über 170 Millionen Mal verkauft. Sie brachte es auf 200 Gold-, Platin-, Silber- und Diamantschallplatten sowie sechs Grammys.

Ziehsohn nicht im Testament

Whitney Houston ist eine der erfolgreichsten Sängerinnen aller Zeiten. Es wurde berichtet, dass sie mehr als 190 Millionen Dollar ausgegeben haben soll, für Häuser und Autos, für Kleider und Schmuck, für Drogen. In den letzten Jahren, als ihre Stimme immer mehr nachließ und von ihrer alten Höhe endlos weit entfernt war, verdiente sie auch immer weniger. Nach ihrem Tod jedoch schnellten die Plattenverkäufe sprunghaft an. Allein die Tantiemen aus dem Lied "I Will Always Love You" dürften der Erbin eine auskömmliche Existenz sichern - wenn sie die Kraft zu einem diszplinierteren Lebenswandel fände.

Zuvor war immer wieder gemutmaßt worden, ob vielleicht auch andere Personen bedacht werden. Doch Leute aus dem Umfeld, die beispielsweise ihren Ziehsohn Nick Gordon oder ihren Ex-Mann Bobby Brown als mögliche Miterben nannten, irrten sich. Das ursprüngliche Testament von Whitney Houston stammt aus dem Jahr 1993. Darin wurde noch Bobby Brown, ihr gewalttätiger Ehemann und Vater von Bobbi Kristina, als Erbe genannt. Nach der Scheidung änderte Houston ihr Testament; Brown wurde im Jahr 2000 daraus entfernt.

Der heute 22-jährige Nick Gordon wird in keinem der beiden Testamente bedacht. Houston hatte Gordon im Alter von zwölf Jahren in ihr Haus genommen und ihn eigenen Angaben zufolge behandelt und geliebt wie ihr eigenes Kind. Gordon hatte in schwierigen Familienverhältnissen gelebt. Er soll Whitney "Mama" genannt haben. Cissy Houston, die Mutter von Whitney, ist Medienberichten zufolge nun bemüht, Gordon aus der Familie zu entfernen. Angeblich sorgt sie sich um den schlechten Einfluss Nicks auf Bobbi Kristina.

Bobbi Kristina ist die einzige leibliche Tochter von Whitney Houston. Sie hätte auch ohne testamentarische Regelung ihre Mutter beerbt, die gesetzliche Erbfolge ist im US-Bundesstaat New York ähnlich geregelt wie in Deutschland.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Bobbi Kristina das Erbe der Mutter nicht sofort antreten darf. Zunächst, auch das verfügt der Letzte Wille Houstons, wird ihre gesamte Hinterlassenschaft in einem Treuhandfonds angelegt, der von ihrer Schwägerin Donna Houston verwaltet werden wird.

Houstons Tochter Bobbi Kristina wird sich noch eine Weile gedulden müssen, ehe sie in den Genuss des Erbes gelangt. Das Vermögen des Treuhandfonds soll ihr in drei Tranchen ausgezahlt werden. Die erste an ihrem 21. Geburtstag, also in zwei Jahren, die zweite an ihrem 25. Geburtstag und die dritte an ihrem 30.

Ein solches Vorgehen ist nach Ansicht des Berliner Zivilrechtsprofessors Rainer Schröder von der Humboldt-Universität vor allem dann üblich, wenn man es dem Erben nicht zutraut, verantwortungsvoll mit dem Erbe umzugehen. Die Drogenkarriere, die Bobbi Kristina in ihrem jungen Alter bereits hinter sich haben soll, rechtfertigt seiner Meinung nach eine solche Vorsichtsmaßnahme. Ob diese Maßnahme geeignet ist, die junge Frau vor sich selbst und vor den zu erwartenden schlechten Beratern zu beschützen, ist mehr als unsicher.

Bobbi Kristina gibt erstes Interview

Houstons Tochter ist mehrfach auf Fotos zu sehen, die den Konsum von Kokain und Marihuana nahelegen - die einschlägigen US-Medien haben diese Aufnahmen natürlich auch immer wieder abgebildet. Auch von einer Abhängigkeit von Tabletten wurde berichtet. Sie soll die Drogen beim gleichen Dealer gekauft haben wie ihre Mutter. Das US-Magazin "National Enquirer" berichtete, Mutter und Tochter hätten im vergangenen Jahr eine gemeinsame Entziehungskur gemacht - erfolglos.

Mit Spannung erwartet wird vor diesem Hintergrund ein Interview Bobbi Kristinas mit der US-Journalistin Oprah Winfrey. Das Interview, das schon vor mehreren Tagen entstand, wird am Sonntag auf dem US-Fernsehsender OWN gezeigt. Es ist das erste Mal, dass sich Bobbi Kristina nach dem Tod ihrer Mutter zu Wort meldet. Angeblich redete Bobbi Kristina mit Oprah Winfrey, weil die Journalistin als Freundin der Familie Houston gilt und versprach, Bobbi unangenehme Fragen zu ersparen. Gemutmaßt wird zudem, dass Bobbi Kristina eine hohe Geldsumme für ihren Auftritt erhalten hat. Ihr Auftritt wird mindestens eine weitere Funktion haben: Er soll Oprah Winfrey helfen, mit ihrer Sendung "Oprah's Next Chapter" zu alten Quoten zu gelangen.