Ermittlungen

Zwei Festnahmen nach Zugunglück in Polen

Nach dem tödlichen Zugunglück in Polen plant die Staatsanwaltschaft, einen Bahnmitarbeiter anzuklagen. Der Mann werde beschuldigt, versehentlich das tödliche Zugunglück nahe Zawiercie in Südpolen verursacht zu haben, sagte betraute Staatsanwalt Tomasz Ozimek.

Ein zweiter Mitarbeiter wurde ebenfalls zur Befragung festgenommenen. Die beiden Fahrdienstleiter hatten zur Unglückszeit in den Bahnhöfen an der Unfallstrecke zwischen Warschau und Krakau Dienst. Von dort aus sollten sie den Zugverkehr auf der betroffenen Strecke koordinieren, hieß es.

Der beschuldigte Bahnmitarbeiter habe einen der Züge auf das falsche Gleis gelassen, sagte Ozmiek. Er habe dem Mann die formelle Anklage noch nicht übergeben, da er in eine psychiatrische Klinik zur Behandlung gebracht worden sei, sagte Ozimek. Der Mann stehe unter Schock und sein geistiger Zustand habe auch noch keine Befragung erlaubt, fügte der Staatsanwalt hinzu. Sollte er für schuldig befunden werden, drohen ihm bis zu acht Jahre Haft. Der polnische Fernsehsender TVN 24 berichtete, der Mann habe angeblich versucht, Aufzeichnungen über den Unfallhergang zu verfälschen, um Fehler zu vertuschen. Eine offizielle Bestätigung gab es nicht. Auch der zweite Bahnmitarbeiter wurde noch nicht befragt, so Ozimek weiter.

Die Ermittler konnten bereits ausschließen, dass die Fahrdienstleiter zum Unfallzeitpunkt am Samstagabend betrunken waren, hieß es. In Polen gilt bis Dienstag eine zweitägige Staatstrauer.

Offiziellen Angaben zufolge wurden bis Montag 15 der bislang 16 Todesopfer identifiziert. Unter ihnen seien eine US-Bürgerin sowie eine Russin. Hinweise auf deutsche Fahrgäste lagen nicht vor. 47 Menschen würden noch in Krankenhäusern behandelt. Der Zustand von vier Verletzten sei weiterhin kritisch, sagte Gouverneur Zygmunt Lukaszczyk.