Tiertransporte

Mieses Geschäft mit den "Kofferraumwelpen"

Seit der Aufnahme von fast 100 verwahrlosten Hundewelpen gleicht das Tierheim in Nürnberg einem großen Krankenhaus. Von Dienstag an sollen zwölf der Rassewelpen, die von der Polizei im Lastwagen eines Tierschmugglers auf der A 3 bei Nürnberg gefunden wurden, verschenkt werden.

"Wir befürchten einen Ansturm. Manche Interessenten möchten am liebsten vor unserer Tür kampieren, um die Ersten zu sein", berichtet die Leiterin des Tierheims, Heike Weber. Sogar aus der Schweiz und Österreich kämen "Vorbestellungen". Weber ärgert die Unvernunft solcher Anrufer: "Tiere sind keine Waren. Und wir sind kein Supermarkt", schimpft sie. Genau diese falsche Tierliebe sei der Grund, weshalb es Zuchtfarmen in Osteuropa und Discount-Tiermärkte in Holland oder Belgien gebe.

Weber hat einen dieser Märkte besucht: "Die mit Medikamenten aufgepäppelten Welpen werden dort zum Teil auf Ramschtischen als Schnäppchenware für 200 Euro angeboten", berichtet sie. Nach den Ermittlungen der Polizei sollten die auf der A 3 gefundenen Welpen von Ungarn über Deutschland nach Holland geschmuggelt werden. Wenige Tage später wurden - wieder in Mittelfranken - erneut Welpen bei einer Fahrzeugkontrolle der Polizei entdeckt.

"Tiertransporte sind nicht verboten, wenn die entsprechenden Vorschriften eingehalten werden", erläutert Simone Wiesenberger vom Polizeipräsidium Mittelfranken. Entsprechend schwierig sei es oftmals für die Polizei, einen konkreten Gesetzesverstoß nachzuweisen. Im Fall der im Nürnberger Tierheim untergebrachten Welpen werde gegen den Transporteur wegen des Verdachts der Urkundenfälschung und eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. Eine Zugriffsmöglichkeit auf die Züchter in Ungarn habe die hiesige Polizei aber nicht.

"Von Züchtern kann keine Rede sein, es sind profitgierige Vermehrer", schimpft Birgitt Thiesmann von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Der illegale Handel mit Welpen ist ihren Angaben nach ein Millionengeschäft. Es existiere eine regelrechte Mafia, die bestens organisiert sei. Genau deshalb würden illegale Transporte nur selten entdeckt. "Die für einen Transport viel zu jungen Welpen werden unauffällig in Privatautos zwischen Lebensmitteln oder Gepäck versteckt", sagt Thiesmann, die seit Jahren gegen den Welpenschmuggel kämpft. Aus ihrer Sicht wird dieser Handel durch die Schnäppchenmentalität gefördert, "die mittlerweile auch beim Kauf von Modehunden vorhanden ist". "Wer einen jungen Rassehund für unter 300 Euro angeboten bekommt, sollte misstrauisch werden und Kontakt mit einem Tierschutzverein oder der Polizei aufnehmen", rät Thiesmann.

Schnäppchenjäger will das Nürnberger Tierheim aber sowieso ausbremsen: Interessenten für die Welpen müssen sich zunächst persönlich vorstellen und einen Fragebogen ausfüllen. "Die aus unserer Sicht am besten geeigneten Personen werden dann zu einem zweiten Besuch eingeladen", erläutert die Tierheimleiterin.

Viele der Welpen würden lebenslang anfällig für Krankheiten sein, schätzt Heike Weber. Auch sei wohl sehr viel Geduld notwendig, um das Vertrauen der schlecht behandelten Tiere zurückzugewinnen.