Weltraumtourist

Herr Gal will ins All

Jos Gal sieht gut aus, durchtrainiert und braun gebrannt. Er steht im Foyer des "Regent"-Hotels am Gendarmenmarkt. Die beiden obersten Hemdknöpfe trägt er offen. Der 39-Jährige ist nach Berlin gekommen, um ein ehrgeiziges Projekt vorzustellen: In zwei Jahren will Gal ins Weltall reisen.

Als Astronaut in einem Raumschiff, 100 Kilometer über der Erde. Für 60 Minuten Grenzerfahrung zahlt der Gründer einer Fünf-Sterne-Zahnarztpraxis knapp 70 000 Euro. "Ich habe das Geld - und ich bin ein abenteuerlustiger Mensch", sagt Gal.

Auf diese Klientel setzt der niederländische Weltraumfluganbieter Space Expedition Curaçao (SXC): Reiche Menschen, die für eine Stunde in einem Raumschiff ein kleines Vermögen investieren. Dafür stellt SXC die Ausrüstung und einen Piloten. Im Simulator wird Gal auf die Reise vorbereitet. Ende des Jahres sind die ersten Testflüge im Jet geplant. Sechs Trainingseinheiten sind vorgesehen. Dazu kommen körperliche und medizinische Tests. 2014 startet das Raumschiff auf dem Flughafen von Curaçao in der Karibik. Der Start ist wie bei einem Passagierflugzeug. Das Raumschiff hebt horizontal vom Boden ab. Innerhalb von einer Minute soll es dann Überschallgeschwindigkeit erreicht haben und senkrecht nach oben steigen. Ab der Höhe von 58,5 Kilometer schaltet der Pilot die Triebwerke ab und lässt die Maschine weiter gleiten. Nach vier bis sechs Minuten haben die Astronauten ihre Zielhöhe erreicht - mit Blick auf die Erde. "Ich bin fasziniert von der Idee, die Welt von oben zu sehen", sagt Gal. Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre zieht das Raumschiff Kreise - ähnlich wie ein Segelflugzeug. Nach einer Stunde ist es vorbei. Gal und sein Pilot landen wieder auf dem Flughafen von Curaçao.

Doch das Raumschiff, das Gal in 100 Kilometer Höhe bringen soll, existiert noch nicht. Der Prototyp werde gerade erst gebaut, sagt SXC-Mitbegründer Harry van Hulten. Eine genaue Angabe zu den Kosten konnte der Unternehmer nicht machen. "Zwischen 50 und 100 Millionen Dollar", schätzt er. Den Raketenantrieb baut ein US-Hersteller. Zumindest in den Tests habe der immer funktioniert, sagt van Hulten. Dass ausgerechnet der Deutsche Jos Gal ein Ticket bekommen hat, verdankt er dem Berliner Lifestyle-Experten Henning Haltinner. Der 27-Jährige hat dem Zahnarzt die Reise verkauft. Im Auftrag von SXC vermarktet Haltinner die Reisen in Deutschland. Die beiden haben sich beim Golfspielen kennengelernt. Haltinner bezeichnet sich selbst als eine Art modernen Butler, der den Alltag von reichen Menschen organisiere. Als Gal das Angebot bekam, musste er nicht lange überlegen. Auch der britische Milliardär Richard Branson will mit seiner Fluglinie Virgin Galactic Touristen ins Weltall bringen. Darunter ist die deutsche Unternehmerin Sonja Rohde aus Nordrhein-Westfalen. Sollte Rohde vor ihm starten? Jos Gal sieht es sportlich. Zumindest ein Titel sei ihm sicher. "Ich bin der erste deutsche Zahnarzt, der als Tourist ins Weltall fliegt."