Prozess

Heute fällt das Urteil gegen den "Maskenmann"

Unfassbares Leid und menschliche Abgründe brachte der Prozess gegen den geständigen Mörder und Kinderschänder Martin N. zutage. Die Details, die seine früheren Missbrauchsopfer mit stockender Stimme im Gerichtssaal schilderten, waren zum Teil kaum zu ertragen.

Dass der "Maskenmann" eine lebenslange Haftstrafe bekommt, gilt bei Prozessbeobachtern als sicher. An diesem Montag werden die Richter im niedersächsischen Stade das Urteil verkünden.

Doch wie viele Jahre der 41-Jährige tatsächlich im Gefängnis verbüßen muss, steht damit noch nicht fest. Die Morde an drei Jungen und zahlreiche sexuelle Übergriffe hatte der Pädagoge vor Gericht gestanden. "Es ist einfach so schrecklich, was hier Gegenstand der Anklageschrift ist, dass einem die Worte fehlen", betonte der Oberstaatsanwalt Johannes Kiers später in seinem Plädoyer. Er sieht eine besondere Schwere der Schuld vorliegen.

Der Psychiater Norbert Nedopil hatte den Angeklagten in seinem Gutachten wegen der pädophilen Neigung als rückfallgefährdet eingeschätzt. "Er hatte eine Tag- und eine Nachtseite."

Jahrelang schöpfte deshalb niemand Verdacht. Tagsüber kümmerte sich Martin N. um seine Schützlinge, fuhr als Betreuer auf Freizeiten mit und arbeitete in Heimen, erst in Bremen und später in Hamburg. Kollegen und Nachbarn beschrieben ihn als unauffällig und freundlich, als netten Kerl, der gut mit Kindern konnte. Vier Jahre lang wohnte sogar ein Pflegekind bei ihm in der Wohnung.

Doch nachts wurde Martin N. zum Monster - zum "Maskenmann", wie ihn die Medien tauften. Mit einer Sturmhaube getarnt, drang er in Häuser, Zeltlager und Schullandheime ein und verging sich dort an den schlaftrunkenen Jungen. In drei Fällen entführte und tötete er seine Opfer: 1992 den 13-jährigen Stefan, 1995 den achtjährigen Dennis R. und 2001 den neunjährigen Dennis K.