"Germany's Next Topmodel"

Wie laufen sie denn?

Nein, Seal hat diesmal kein Foto bekommen. Und auch sonst verdichten sich die Anzeichen, dass der Segen im Hause Klum schiefer hängt, als es die Bilder von der immer ach so gut gelaunten Großfamilie mit ihren vier Kindern bisher suggeriert haben.

Die Trennung des berühmten Vorzeigepaars überschattet die Castingshow "Germany's Next Topmodel" (GNTM), die heute Abend bereits in die siebte Runde geht. Oder soll man sagen: Sie wird werbewirksam ausgeschlachtet? Der Gedanke tauchte das erste Mal im Januar in Fanforen im Internet auf, als Heidi Klum und Seal bestätigten, was Gesellschaftsreporter schon seit einiger Zeit vermuteten: dass sich das ungleiche Paar getrennt hatte.

Die offizielle Bestätigung folgte kurze Zeit später. Im US-Magazin "People" ließen die beiden eine Erklärung verbreiten, wonach ihre Ehe am Ende sei. Einen Grund nannten sie nicht, von "unüberbrückbaren Differenzen" war die Rede. Heidi und Seal hingegen verwiesen auf "sieben sehr liebevolle, loyale und glückliche Ehejahre", die sie miteinander genießen durften. Für das abrupte Ende der öffentlich gelebten Beziehung eines Traumpaars klang das beinahe eine Spur zu dick aufgetragen. Kein Soap-Autor hätte das effektvoller formulieren können.

Purer Zufall oder perfektes Timing? Genau zwei Tage später erschien das achte Studioalbum von Seal: "Soul 2". Es versammelt Soul-Klassiker von Bill Withers bis Marvin Gaye und wird wohl kein Nummer-eins-Hit werden, sich aber zumindest im Mittelfeld behaupten.

Einen weiteren Flop konnte sich der Grammy-Gewinner auch nicht leisten, nachdem seine vorherige Platte sowohl bei den Fans als auch bei den Kritikern durchgefallen war. Es hieß, er habe seine großartige Stimme an Schmachtfetzen verschwendet.

Der PR-Effekt der Gerüchte

Mit Soul-Klassikern wie "Let's Stay Together" von Al Green kann ihm das nicht passieren. Der Wirbel um die Trennung von seiner gut verdienenden Frau - geschätzte Einnahmen: 20 Millionen Dollar im Jahr - befeuert auch das Interesse an dem Künstler Seal. Hierzulande schlug sich der PR-Effekt der Krise sogleich nieder. Besorgt fragte sich die "Bunte": "Singt er hier vom Ehe-Aus?"

Zum Start der siebten Staffel von "Germany's Next Topmodel" geht das Rätselraten in eine neue Runde. Einen Tag vorher brachte der Bauer-Verlag "Closer" auf den Markt, die deutsche Ausgabe eines britischen Klatschmagazins, das sich der C-Prominenten erbarmt, von RTL-Moderatorin Katja Burkard bis zur Moderatorsgattin Britta Becker-Kerner.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Trennung im Hause Klum zumindest im Spiegel der Boulevardpresse schon das Vorstadium des Rosenkriegs erreicht. Es hieß, seine Wutausbrüche hätten den Ausschlag für die Trennung gegeben. Inzwischen habe er auch den Ehering abgestreift, den er noch einige Tage nach der Verkündigung des Endes ihrer Liebe getragen hatte. Seal hatte in Interviews auch bekräftigt, er habe in keiner Weise die Absicht, den Ring abzulegen. Als der Moderator Piers Morgan Ende Januar nach der Möglichkeit einer Versöhnung der beiden fragte, sagte Seal: "Sag niemals nie." Das scheint ein paar Wochen später Geschichte. "Closer" erklärte nun: "Jetzt geht's ums Geld und die Kinder."

Dazu passte der vermeintliche Scoop, mit dem "Closer" seinen Start vermarktet. Es ging um einen Prince-Song, den Seal noch im Dezember für die erste Folge der siebten "GNTM"-Staffel aufgenommen hatte: "Forever In My Life". Auf Wunsch von Heidi Klum habe ProSieben die Szenen des Auftritts nachträglich aus der ersten Folge von "GNTM" herausschneiden lassen, kolportierte die Postille mit Verweis auf "Produktionskreise".

Klums Haussender ProSieben wollte diese Aussage weder bestätigen noch dementieren. Man wisse nichts von einer solchen Szene, erklärte ein ProSieben-Sprecher auf Anfrage.

Ob es sie tatsächlich gab oder ob die Meldung erfunden war, kann dem Sender egal sein. Hauptsache, man spricht wieder über "Germany's Next Topmodel". Die Quoten für das Guantánamo unter den Castingshows bröckeln.

Und die Kritik an der Sendung reißt nicht ab. Immer noch muss sich Klum den Vorwurf gefallen lassen, sie bereite ihre "Mädels" nicht wirklich auf den Modelalltag vor, wenn sie sie auf dem Dach eines Wolkenkratzers oder mit Schlange um den Hals posieren lasse.

Immer noch heißt es, bis heute habe die Sendung nicht ein einziges Topmodel hervorgebracht. Die Gewinnerin der letzten Staffel, Jana Beller, ist sogar völlig von der Bildfläche verschwunden. Es heißt, sie habe sich geweigert, sich von Klums Vater Günther vermarkten zu lassen.

Auch vor diesem Hintergrund kann die Show Werbung gebrauchen. Der Sender ProSieben preschte vor, als er zum Start der siebten Staffel anstelle einer Pressemitteilung einen Katalog mit goldfarbenen Deckeln verschickte.

"Gold für Deutschland", stand auf dem Cover. Größer ging es nicht. Jede der 51 Teilnehmerinnen bekam eine eigene Seite mit Hochglanzfotos. Damit hatte sich der vielbeschworene Glamour der Show allerdings auch schon erschöpft.

Denn wie schwer wog so eine PR-Broschüre verglichen mit den hässlichen Gerüchten über Zoff im Hause Klum? Vermutlich werden sie zumindest die Quote der ersten Folge stärker ankurbeln, als es jede professionelle Kampagne vermag. Kaum eine Moderatorin ist schließlich so tough wie Heidi Klum. Wird sie jetzt Gefühl zeigen oder gar Schmerz? Seal wiederum hatte keine Torte für Heidi, als er am vergangenen Sonntag in Australien seinen 49. Geburtstag feierte.

Time To Say Goodbye. Ein Hauch von Abschied liegt in der Luft. Das gilt nicht nur für die Ehe der Moderatorin. Längst geht in der Branche das Gerücht um, die siebte Staffel von "GNTM" sei die letzte. Die Suche nach Models gehe 2013 zwar weiter, allerdings ohne Heidi Klum.

Zumindest das hat ein ProSieben-Sprecher dementiert. Alles andere hätte einen auch verwundert. Die Realität hat die Soap eingeholt. Das Rätselraten um Heidi K. geht weiter. Gute Voraussetzungen, um die Show vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit zu bewahren.