Niederlande

Prinz Friso in künstlichem Tiefschlaf

Die Königin muss sich nicht an die knappen Besuchszeiten halten. Sie ist bisher immer gegen Mittag gekommen, heißt es aus der Innsbrucker Universitätsklinik, in Begleitung ihrer Schwiegertochter Mabel.

Am Sonntag hielten die Frauen einander an den Händen, als sie vor dem Krankenhaus eintrafen. Prinz Johan Friso von Oranien-Nassau, der zweite Sohn der niederländischen Königin Beatrix, liegt nach einem Lawinenunfall in Lech seit Freitag auf der Traumatologischen Intensivstation des Innsbrucker Krankenhauses. "Sein Zustand ist stabil, aber er ist nicht außer Gefahr", teilte das Königshaus am Sonntagabend mit. Eine umfassende Prognose könnten die Ärzte möglicherweise erst gegen Ende der Woche abgeben.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge befindet sich der 43-Jährige im künstlichen Tiefschlaf. Laut Informationen des Österreichischen Rundfunks (ORF) hat Friso keine Schäden an inneren Organen davongetragen. Das Problem sei einzig und allein der Sauerstoffmangel, den der Niederländer unter den Schneemengen erlitten habe. 23 Minuten lang soll Prinz Friso Freitagmittag unter einer 40 Zentimeter Schneedecke gelegen haben, bis ihn die Bergretter ausgruben. Die kritische Phase beginne bereits nach 18 Minuten, sagt Hermann Brugger, Leiter des Instituts für Alpine Notfallmedizin in Bozen. Bis dahin betrage die Überlebenschance noch 90 Prozent, nach 35 Minuten liege sie hingegen nur noch bei 30 bis 35 Prozent. Entscheidend ist außerdem, ob zuerst das Erfrieren oder das Ersticken einsetzt. In letzterem Fall sei das Risiko eines Gehirnschadens sehr hoch.

Dass der Prinz ein Lawinenverschüttetensuchgerät umgeschnallt hatte, hat den Bergrettern die Arbeit erleichtert. Es gehört neben Schaufel, Sonde, Erste-Hilfe-Paket, Handy und einem sogenannten "Biwak-Sack" zur Standardausrüstung für Fahrten im freien Gelände. Das Kuratorium für Alpine Sicherheit empfiehlt darüber hinaus einen Lawinenrucksack. Ein solcher "Airbag" hatte Frisos aus Lech stammendem Begleiter vor der Verschüttung bewahrt. Bei dem Einheimischen soll es sich unbestätigten Gerüchten zufolge um den Besitzer des Lecher Hotels "Post" handeln, in dem die holländische Königsfamilie seit Jahrzehnten ihre Skiferien verbringt. Der Wirt und der Prinz sind angeblich seit ihrer Kindheit miteinander befreundet. Im Hotel "Post" haben inzwischen auch seine beiden Brüder und deren Familien Quartier bezogen.