Ermittlungsergebnisse

Chantal starb an erster Methadontablette

Die elfjährige Chantal aus Hamburg ist vor ihrem Tod an einer Überdosis Methadon bei ihren Pflegeeltern nicht mit Drogen oder Ersatzdrogen in Kontakt gekommen.

"Es gibt keine Anhaltspunkte für einen vorherigen Konsum", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wilhelm Möllers. Das hätten die Ergebnisse von toxikologischen Untersuchungen etwa der Haare gezeigt. Chantal war am 16. Januar in der Obhut ihrer drogensüchtigen Pflegeeltern an der Heroin-Ersatzdroge Methadon gestorben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Kind am Abend zuvor eine Methadon-Tablette genommen hat. "Dass der Tod etwa 20 Stunden später eintritt, entspricht wissenschaftlichen Erkenntnissen", sagte Möllers. Chantal hatte vor ihrem Tod über Unwohlsein geklagt und sich mehrfach übergeben. In der Garage der Familie im Stadtteil Wilhelmsburg hatten die Ermittler 31 Methadon-Tabletten entdeckt, am Arbeitsplatz des Pflegevaters eine weitere. Das endgültige Obduktionsergebnis liegt der Staatsanwaltschaft bisher nicht vor.

Der Fall hatte in ganz Deutschland eine breite Debatte über Pflegeeltern ausgelöst. Im Zusammenhang mit dem Tod des Mädchens war vor knapp einer Woche der umstrittene Chef des Bezirksamts Hamburg-Mitte, Markus Schreiber (SPD), zurückgetreten. Das Jugendamt in seinem Bezirk hatte Chantal betreut. Die Pflegeeltern Chantals waren bis zuletzt schwer drogenabhängig. Bei dem Pflegevater wurden Spuren von Heroin in einer so großen Menge gefunden, dass sicher scheint, dass er stark abhängig ist und das Rauschgift regelmäßig konsumiert. Bei der Pflegemutter wurden ebenfalls Spuren von Heroin und Marihuana nachgewiesen.