Mord

Drei Postkarten verraten den Täter

Vor mehr als 20 Jahren wurde Bianca K., sie war gerade 17 Jahre alt, in Heidelberg umgebracht. Doch der Mord an dem Mädchen aus Thüringen bleibt ungesühnt.

Anhand neuer Untersuchungsmethoden konnten die Ermittler jetzt DNA-Spuren ihres Großonkels an der Krawatte nachweisen, mit der die Jugendliche 1991 erwürgt wurde. Doch der Tatverdächtige kann nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden. Er hat sich im Jahr 2000 das Leben genommen.

Die aus Erfurt stammende Auszubildende war im August 1991 von ihrem Arbeitgeber als vermisst gemeldet worden. Bianca K. hatte nach der Wiedervereinigung in Heidelberg eine Ausbildung in einem Luxushotel begonnen und war plötzlich nicht mehr zur Arbeit erschienen. Die französische Polizei entdeckte den Leichnam in der Nähe von Besançon an einer Autobahn. Bereits kurz nach der Vermisstenmeldung hatte die Heidelberger Kriminalpolizei den damals 63-jährigen Großonkel des Opfers in Verdacht, die Tat begangen zu haben. Die Ermittlungen ergaben, dass er bis kurz vor der Tat ein intimes Verhältnis mit der 17-Jährigen hatte. Doch Bianca K. brach die Beziehung ab, nachdem sie in Erfurt einen jungen Mann kennenlernt hatte.

Der damalige Tatverdacht hatte sich laut Staatsanwaltschaft jedoch trotz intensiver Ermittlungen nicht erhärten lassen. Insbesondere sei es nicht gelungen, dem Großonkel die als Tatwerkzeug benutzte Krawatte zuzuordnen.

Seit 2004 werden in Heidelberg bei ungelösten Fällen alte Beweismittel mit Methoden der Kriminaltechnik untersucht, die es zum Tatzeitpunkt nicht gab. In diesem Zusammenhang wurden auch die Asservate in dem Mordfall erneut einer Untersuchung unterzogen.

An der Krawatte ließen sich nun DNA-Spuren sicherstellen, die mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu 16 Billiarden dem Großonkel des Mädchens zuzuordnen sind. Als Vergleichsprobe hatten die Ermittler drei Postkarten untersucht, die der Fernfahrer 1983 von seinen Touren aus Frankreich nach Deutschland geschickt hatte. Aus Speichelresten unter den Briefmarken ließ sich die jeweils gleiche DNA isolieren.

Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei Heidelberg sind nach einer Bewertung der Gesamtumstände der Überzeugung, dass der Großonkel die Jugendliche um den 10. August 1991 herum ermordet hat. Der genaue Tatort konnte nicht mehr herausgefunden werden. Die Ermittlungen sind damit abgeschlossen.

In den letzten Jahren wurden immer wieder Mordfälle aufgeklärt, die zum Teil Jahrzehnte zurücklagen. Aufsehen erregte im März 2010 der Fall der kleinen Ursula aus Oberbayern. Fast 30 Jahre später wurde der Täter gefasst. Er hatte das Kind in einer Kiste vergraben, um Lösegeld zu erpressen. Das Mädchen erstickte. Das Urteil in dem langwierigen Indizienprozess stützte sich vor allem auf ein Tonbandgerät, das bei den Erpresseranrufen abgespielt wurde.