Frost

Kälter als in jedem Gefrierschrank

Die eisige Kälte sorgt für immer neue Rekordwerte in diesem Winter. In Mecklenburg-Vorpommern fiel das Thermometer in der Nacht zum Montag auf der Insel Usedom auf minus 29,1 Grad.

Auch an vielen anderen Orten Deutschlands sank das Thermometer weit unter die Minus-20-Grad-Marke. In Ueckermünde an der polnischen Grenze wurden minus 28,7 Grad, im sächsischen Deutschneudorf minus 28,2 und in Oberstdorf im Oberallgäu minus 28,1 Grad gemessen. Auch am südöstlichen Stadtrand von Berlin rutschte die Quecksilbersäule auf minus 23,6 Grad. Damit wurden die bisherigen Kälterekorde aus dem Eiswinter 1956 leicht übertroffen. "Es war die kälteste Nacht dieses Winters, das wird wohl nicht mehr gesteigert", sagte Meteorologe Marcus Beyer.

In Dresden wurde eine 69-Jährige bei eisigen Temperaturen am Montag tot auf ihrem Balkon gefunden. Die genauen Todesumstände sind noch unklar. Insgesamt starben seit Beginn der Kältewelle in Europa weit mehr als 360 Menschen.

Der Frost hat die Binnenschifffahrt in Deutschland so gut wie lahmgelegt. "Die größten Probleme bestehen in Bayern und im Osten des Landes", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt, Jörg Rusche. So sei auf dem Main-Donau-Kanal kein durchgehender Schiffsverkehr mehr möglich. In Ostdeutschland sei aufgrund des Eises etwa auf der Saale und der Oder praktisch kein Durchkommen mehr.

Auf der Elbe erliegt der Schiffsverkehr laut Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden komplett. Ab Dienstagabend wird der Fluss von der tschechischen Grenze bis zur Saale wegen dicken Treibeises gesperrt. Der extreme Nachtfrost lässt allmählich auch die Küstengewässer gefrieren. Vor der Halbinsel Zingst, vor Rügen, Usedom und in der Pommerschen Bucht bilden sich kompakte Eisstreifen.

Auch im Straßenverkehr sorgt der strenge Frost für erhebliche Behinderungen. Die Autoclubs berichten von Hunderten Notrufen, weil Dieselfahrzeuge trotz voller Batterie nicht anspringen oder sogar in voller Fahrt absterben. Bei den betroffenen Autos können die Pannenhelfer aber wenig ausrichten: Der Kraftstoff friert bei deutlich unter minus 20 Grad ein. Zahlreiche Autofahrer mussten mit Unterkühlungen aus liegen gebliebenen Fahrzeugen gerettet werden.

Anders als im vergangenen Winter hat die Bahn die Probleme mit dem Winterwetter weitgehend im Griff. "Es gibt keine größeren überregionalen Störungen", sagte ein Sprecher.

Im Osten Europas sanken die Temperaturen noch tiefer als in Deutschland. In der Schweiz wurden minus 35 Grad gemessen, in Tschechien nahe der deutschen Grenze minus 39,4 Grad. In Polen führte der unsachgemäße Einsatz von Öfen vermehrt zu Bränden und Vergiftungen mit Kohlenmonoxid. Von Freitag bis Sonntag wurden landesweit 1543 Brände mit 15 Toten gemeldet. In Italien sind landesweit 42 000 Haushalte weiterhin ohne Strom.

Zumindest eine gute Nachricht kommt aus Hamburg. Dort darf nun das Eis der Außenalster betreten werden. Es ist zwischen 14 und 18 Zentimetern stark.