Waldzustandsbericht

Nicht alle Blätter an der Krone

Das Internationale Jahr der Wälder ist gerade zu Ende gegangen, da legt das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz den Waldzustandsbericht für 2011 vor, wie in jedem Jahr seit den ersten Erhebungen im Sommer 1983.

Doch ausgerechnet in diesem besonderen Jahr, so geht aus dem Bericht hervor, hat sich der Zustand des deutschen Waldes verschlechtert. Besonders betroffen sind Buchen. Deutliche Schäden, sogenannte Baumkronen-Verlichtungen, hatten im vergangenen Jahr 28 Prozent aller Bäume. Das waren fünf Prozentpunkte mehr als 2010.

Als Mitte der 80er-Jahre die Waldschadenserhebung eingeführt wurde, hatte das Waldsterben schon einige Zeit die deutschen Schlagzeilen beherrscht. Tatsächlich aber hat der Wald auch nach der Einführung von Katalysator und Schadstofffilter und nach dem Rückgang von saurem Regen und Schwefeldioxidausstoß teils immensen Schaden genommen - aus natürlichen Gründen, durch die Jahrhunderthitze von 2003 beispielsweise und durch Stürme wie "Lothar" und "Kyrill".

Für 2011 wurde das Ergebnis aus den Kronenzustandsdaten von 10 167 Probebäumen an bundesweit 410 Punkten berechnet. Wie dicht Laub oder Nadeln in der Krone eines Baumes sind, gilt als ein Indikator für den Gesundheitszustand. Bei den Stichproben wird es als "deutlicher" Schaden eingestuft, wenn mehr als ein Viertel der Krone licht ist. Deutliche Schäden an den Kronen hatten 2011 also 28 Prozent aller Laub- und Nadelbäume. Der Anteil mit leichten Schäden ging von 39 auf 35 Prozent zurück. Keine Schäden hatten 37 Prozent der Bäume nach zuvor 38 Prozent. Spürbar erholt haben sich die Eichen.

Bei der häufigsten Laubbaumart, der Buche, hatte etwa jeder zweite Baum deutliche Schäden an der Krone - der Anteil erreichte mit 57 Prozent Rekordniveau. Im Jahr zuvor waren es 33 Prozent gewesen. Hauptgrund dafür ist die viel üppigere Bildung von Früchten, also Bucheckern, gegenüber Blättern. "Dieser natürliche Prozess dient der Fortpflanzung", hieß es, "bremst aber den Holzzuwachs und führt zu einer vermehrten Baumkronen-Verlichtung." Im vergangenen Jahr hätten mehr als 90 Prozent der fortpflanzungsfähigen Buchen Bucheckern getragen. Das ermögliche viele Erbgut-Neukombinationen, was sich positiv auf die Anpassungsfähigkeit der Wälder etwa an Klimaveränderungen auswirke. Allerdings könne dieser Aspekt den schlechten Zustand der Buchen nicht allein erklären. Eine Rolle gespielt haben dürfte auch die angespannte Wasserversorgung. In weiten Teilen Deutschlands sei es zu Jahresbeginn und in mehreren Frühlingsmonaten zu trocken gewesen.

Bei Eichen sank der Anteil stark beschädigter Baumkronen um zehn Prozentpunkte auf 41 Prozent - unter anderem deshalb, weil es weniger Schäden durch Schmetterlingsraupen und kaum Mehltaubefall gegeben habe. Der Zustand der Bäume fällt regional unterschiedlich aus. Die kränksten Bäume zum Beispiel wachsen in Thüringen und Hessen, während der Brandenburger Wald am gesündesten ist. Besonders wenig belastet ist dort die Kiefer - und am meisten, ganz gegen den Bundestrend, ausgerechnet die Eiche.

Die kränksten Bäume wachsen in Thüringen und Hessen, während der Brandenburger Wald am gesündesten ist