Kältetote

Kältewelle in Europa fordert Dutzende Todesopfer

Die Menschen in Deutschland müssen sich noch dicker einpacken: Die Kälte aus Russland drückt die Temperaturen immer weiter in den Minusbereich. Am Donnerstag sollen die Thermometer nirgendwo mehr über null Grad steigen - maximal würden minus zwei Grad an der Küste erreicht, prophezeite der Deutsche Wetterdienst (DWD).

In Ostdeutschland bleiben die Werte auch tagsüber im zweistelligen Minusbereich. Bis zu minus 15 Grad könnten in Berlin gemessen werden. "Bei mäßigem Wind in den Niederungen können die gefühlten Temperaturen sogar auf bis zu minus 30 Grad sinken", fügte ein Sprecher hinzu. Milderes Wetter sei bis zu Beginn der nächsten Woche noch nicht in Sicht.

Die extreme Kältewelle hat ganz Europa im Griff und lässt die Zahl der Toten immer weiter steigen. In Osteuropa fielen binnen 24 Stunden mindestens 29 Menschen den eisigen Temperaturen zum Opfer, damit wurden seit Beginn der Kältewelle vor einer Woche mindestens 87 Kältetote registriert. Mit minus 29,4 Grad wurde in der Nacht zum Mittwoch in der estnischen Kleinstadt Korela zum vierten Mal in Folge ein neuer Kälterekord gemessen; es wird erwartet, dass die Temperaturen in den baltischen Staaten weiter sinken. In der Ukraine stieg die Zahl der Kälteopfer nach Angaben des Katastrophenschutzes auf 43. Mehr als 800 Menschen mussten wegen Erfrierungen und Unterkühlung medizinisch behandelt werden. Seit Montag haben mehr als 400 000 Schüler ungeplante Ferien.

Auch in Rumänien starben binnen 24 Stunden sechs Menschen an den Folgen der Kälte, darunter nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Bukarest ein Baby, das in einem nicht geheizten Haus im Nordosten des Landes erfror. Das Thermometer fiel in der Nacht zum Mittwoch auf bis zu minus 32,5 Grad Celsius. Aus Polen, Tschechien und der Slowakei wurden sieben neue Kälteopfer gemeldet. In Polen gab es zudem zahlreiche Fälle von Kohlenmonoxidvergiftung durch schlecht funktionierende Kohleöfen. Polens Innenminister rief die Bevölkerung zur Solidarität auf: "Es ist nicht die Kälte, die die Leute tötet. Es ist die Teilnahmslosigkeit, die tötet." Bürger sollten den Behörden die Aufenthaltsorte von Obdachlosen melden, damit Hilfe geleistet werden könne. In Istanbul brach der Busverkehr bei Schneehöhen von bis zu einem halben Meter zeitweise zusammen; am Atatürk-Flughafen fielen allein am Mittwochvormittag fast 90 Flüge aus.

Doch nicht nur Osteuropa leidet unter dem heftigen Wintereinbruch: Auch in südlichen Gefilden kämpfen die Menschen mit der Kälte. In Frankreich fiel auf Korsika sowie im Südosten des Landes wegen starken Schneefalls in mindestens 45 000 Haushalten der Strom aus. Außerdem behinderten glatte Straßen den Alltag vieler Menschen; zahlreiche Strecken waren zeitweise nicht oder nur schwer befahrbar. Auf Korsika, wo zwanzig bis vierzig Zentimeter Schnee lagen, kam es zu großen Verkehrsproblemen, Schulbusse fielen aus. In den französischen Voralpen starb ein Soldat, nachdem eine Lawine eine Gruppe von zehn Soldaten bei einer Übung mitgerissen hatte.

In Italien gab es nach heftigen Schneefällen Verspätungen im Zugverkehr, viele Schulen blieben geschlossen. Der Flughafen Bologna musste seinen Betrieb vorübergehend einstellen. Meteorologen erwarteten, dass die laufende Woche als die kälteste in Italien seit 27 Jahren in die Annalen eingehen wird.