Rügen

Von der Wucht ins Meer gedrückt

Fünf Wochen nach dem Unglück am Kap Arkona auf Rügen ist die Leiche des zehnjährigen Mädchens gefunden worden. Am Dienstagmorgen wurde eine angespülte Kinderleiche gefunden. Der Bürgermeister des Dorfes Putgarten, Ernst Heinemann, war sich sicher, dass es sich um die seit Weihnachten vermisste Katharina aus Brandenburg handelte.

Die Polizei in Stralsund will sich erst am Mittwoch nach der Obduktion des Kindes zu dessen Identität äußern. Das zehnjährige Mädchen war am zweiten Weihnachtsfeiertag während eines Spaziergangs unterhalb der 35 Meter hohen Steilküste von herabstürzenden Kreidefelsen erfasst worden und blieb seitdem verschwunden. Die Rettungskräfte brachen die Suche nach dem Kind Mitte Januar ab. Die Mutter und die 14 Jahre alte Schwester des Mädchens waren von den Geröllmassen schwer beziehungsweise leicht verletzt worden.

Am frühen Dienstagmorgen kurz nach Sonnenaufgang hatte ein Gemeindemitarbeiter das Kind am vereisten Kiesstrand entdeckt, nicht weit von der Stelle, an der das Mädchen verunglückt war. Der Mitarbeiter hatte den Auftrag, regelmäßig den Strand und die Steilküste zu kontrollieren. "In der Nacht zu Dienstag herrschte Sturm aus Nordost", sagte Heinemann. "Darauf hatten wir schon gewartet, denn bei Nordost-Sturm kommt alles vom Meer zurück." Wahrscheinlich ist das Kind unter dem Druck der herabstürzenden Geröllmassen ins Meer gespült worden.

Bis zu 200 Helfer hatten nach dem Felsabbruch unter den Geröllmassen nach dem Mädchen gesucht. Trotz des Einsatzes von Spürhunden und Baggern war die Suche nach gut zwei Wochen ergebnislos eingestellt worden. Der Strandabschnitt wurde gesperrt und zu einem "Ort der Ruhe" erklärt. Mehrere Hundert Menschen nahmen während eines Gottesdienstes Abschied von dem Mädchen.

Inzwischen wurden am Hochufer über dem Steilhang einige Wege verlegt, Absperrungen angebracht und neue Warnschilder aufgestellt. Dennoch ließen sich auch am Dienstag einige Urlauber nicht vom Spaziergang unterhalb der weißen Kreidefelsen abhalten, wie Heinemann sagte. Die Küstengemeinden wollen in den nächsten Tagen zusammen mit dem zuständigen Landkreis und dem Umweltministerium beraten, ob und wie die Nordostküste Rügens gesichert und Touristen besser geschützt werden können.

Besonders im Winter und Frühjahr, wenn Wasser in die Kreide eindringt oder sich bei tiefen Temperaturen darin als Eis ausbreitet, werden Felsteile regelrecht abgesprengt. Im letzten Frühjahr stürzte so an einem Küstenabschnitt auf hundert Metern Länge die Kreide ins Meer.

Unterdessen sperrte auch die Gemeindeverwaltung von Rügens Nachbarinsel Hiddensee einige Strandabschnitte und den Hochuferbereich für Spaziergänger. Er habe bei Kontrollgängen tiefe Risse, Spalten und weit reichende Absenkungen festgestellt, teilte Bürgermeister Thomas Gens mit.