Lebensumstände

Nach Chantals Tod: Hamburg überprüft 310 Pflegeeltern

Nach dem Tod der elfjährigen Chantal durch eine Methadon-Vergiftung will Hamburgs Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) sicherstellen, dass kein Kind mehr in die Hände von drogenabhängigen Pflegeeltern gerät.

Gemeinsam mit der Gesundheitsbehörde soll geklärt werden, welche Maßnahmen dafür erforderlich sind. "Wenn es um die Auswahl von Pflegeeltern geht, dürfen Personen mit einer Drogenkarriere künftig keine Chance mehr haben, ein Pflegekind zu bekommen", erklärte der Senator.

Der Hamburger Bezirk Mitte überprüft laut "Bild"-Zeitung inzwischen die Akten aller 310 Pflegekinder des Bezirks. Dabei gehe es um Auffälligkeiten in den Beurteilungen der Pflegeeltern, berichtet "Bild-Hamburg" und verweist auf Informationen aus der Behörde. Zudem würden bereits seit Ende vergangener Woche die Kinder einzeln in ihren Pflegefamilien aufgesucht und die Lebensumstände in Augenschein genommen.

Chantal war am 16. Januar in der Wohnung der Pflegeeltern im Stadtteil Wilhelmsburg gestorben. Die Pflegeeltern waren beide drogenabhängig und nach eigenen Angaben bereits seit Jahren in einem Methadon-Programm. In der Garage der Familie und im Spind des Vaters am Arbeitsplatz entdeckten die Ermittler Tabletten mit der Ersatzdroge.

Die Hamburger Sozialbehörde versicherte, dass in Beratungsgesprächen für angehende Pflegeeltern nach Drogen- und Alkoholsucht gefragt werde. "Eine akute Suchtabhängigkeit ist ein Ablehnungsgrund", erklärte ein Behördensprecher. Es sei aber möglich, dass das Jugendamt nichts von einer Methadon-Behandlung wisse. Die Deutsche Kinderhilfe warf der Hamburger Jugendhilfe "krasses Versagen" vor. Die Deutsche Kinderhilfe fordert bundesweit einheitliche Fachstandards für die Jugendhilfe, für Pflegeeltern, deren Auswahl und deren Überwachung.