Schiffsunglück

Erschwerte Bergungsarbeiten und eine rätselhafte Passagierin

Noch immer ist von 21 Vermissten die Rede. Bislang wurden elf Todesopfer geborgen. Bei ihrer Suche konzentrieren sich die Taucher nun besonders auf einen Fluchtweg auf dem vierten Deck.

Der Bereich des Schiffs liegt etwa 18 Meter unter der Meeresoberfläche. "Heute ist ein wichtiger Tag", sagte Feuerwehrsprecher Luca Cari, "die Wetteraussichten sind schlecht, schwere See."

Die Behörden aber kamen zu dem Schluss, dass sich das Wrack stabilisiert habe, nachdem es am Tag zuvor auf den Felsen in Bewegung geraten war. Doch ein heranziehendes Tiefdruckgebiet vor der Küste Italiens könnte die Rettungsarbeiten in den kommenden Tagen wieder erschweren. Wegen der Bewegung des Schiffs war auch das Abpumpen des Treibstoffs verschoben worden.

Als am Freitag noch niemand ahnte, wie gefährlich nah sich das Schiff der Insel Giglio genähert hatte, da saß Marco Monda im Restaurant an Bord der "Costa Concordia" und machte eine interessante Beobachtung. Kapitän Francesco Schettino erschien, so erzählte der überlebende Passagier später, bestens gelaunt mit zwei Frauen im Arm im Speisesaal. Eine von ihnen war offenbar die blonde junge Frau, die später in dem Rettungsboot saß, in das der Kapitän so zufällig hineingefallen sein will und in dem so zufällig noch eine ganze Menge anderer wichtiger Crewmitglieder saß.

Ein Computer, den Schettino bei diesem Ausflug zum Boot dabeigehabt haben soll, ist plötzlich verschwunden. Der Pfarrer von Giglio aber sagt, er habe von vielen Menschen, die an diesem Abend in Giglio die Schiffbrüchigen aufnahmen, gehört, dass sie den Kapitän gesehen hätten mit seinem Smartphone, seinem Computer und eben jener blonden Frau. Hatte er vor der Flucht von Bord seine Sachen gepackt?

Während die Taucher unter schwierigsten Umständen weiter nach den Vermissten im Wrack suchen, während die Hoffnung der Angehörigen schwindet und die Verzweiflung wächst, während die kleine Insel Giglio staunt über einen beispiellosen Medienauflauf, da erhitzt wieder einmal Kapitän Schettino die Gemüter und wirft immer neue Fragen auf - diesmal diese: Wer ist die blonde Frau und welche Rolle spielte sie an Bord?

Domnica Cemortan (25) hat nach dem Unglück dem moldawischen "Journal TV" ein Interview gegeben. Sie sei mit dem Kapitän auf der Kommandobrücke gewesen, sagte sie und bezeichnete sich selbst als Mitarbeiterin der Kreuzfahrtlinie Costa Crociere - auf der "Concordia" allerdings sei sie als Urlauberin gewesen. Laut der Zeitung "Repubblica" aber steht sie auf keiner Passagierliste.

Die Ermittler gehen offenbar davon aus, dass mehrere Personen als eingeladene blinde Passagiere an Bord waren. Für das Personal von Kreuzfahrten sei es ein nur schlecht gehütetes Geheimnis, dass Kapitän und Offiziere diskret "in gewisser Zahl" Freunde oder Verwandte auf ihr Schiff einladen, ohne dass diese offiziell registriert würden. Diese im Fall der "Costa Concordia" zu ermitteln sei nicht unwichtig, denn es könne auch die Verwirrung bei der Zahl der Vermissten erklären.