Landgericht Karlsruhe

Skandal um Brustimplantate: Erste Klage geplant

Nach dem Skandal um womöglich gesundheitsgefährdende Brustimplantate aus Frankreich soll zeitnah in Deutschland die erste Klage eingereicht werden.

Die Münchner Rechtsanwaltskanzlei Patientenanwalt AG kündigte am Donnerstag an, spätestens am Montag im Auftrag einer Mandantin Klage vor dem Landgericht Karlsruhe einzulegen. Die Klage sei nach seiner Kenntnis die erste dieser Art in Deutschland, sagte Rechtsanwalt Michael Graf, der Vorstandsmitglied der Patientenanwalt AG ist. Sie richte sich gegen die behandelnden Ärzte und die Klinik, gegen den TÜV Rheinland und dem Chemikalienhändler Brenntag, sagte Graf. Der Streitwert betrage 80 000 bis 100 000 Euro, wovon 10 000 Euro eine Schmerzensgeldforderung seien. Der Rest der Summe beziehe sich auf die Kosten der Entfernung der Implantate und Nachbehandlung sowie auf das Risiko zukünftiger Erkrankungen.

Im Dezember war bekannt geworden, dass die französische Firma PIP für ihre Brustimplantate ein nicht für die Behandlung von Menschen geeignetes Billig-Silikongel verwandt hat. Mittlerweile empfehlen mehrere Länder, diese Silikonkissen wegen gesundheitlicher Risiken entfernen zu lassen. Allein in Deutschland schätzen Experten, dass bis zu 10 000 Frauen betroffen sein könnten.

Wie Graf weiter sagte, sind in Deutschland insgesamt sieben Klagen in der Vorbereitung. Sobald der Karlsruher Fall angelaufen sei, sollten im Frühjahr die weiteren sechs Klagen eingereicht werden. Diese sieben betroffenen Frauen verfügten über Rechtsschutzversicherungen. Außerdem vertrete die Kanzlei ein gutes Dutzend weiterer Frauen, die keine Rechtsschutzversicherung haben. In deren Fall werde versucht, auf außergerichtlichem Weg einen fünfstelligen Betrag zu erhalten. Dass die Anwälte nicht gegen PIP vorgehen, begründete Graf mit prozesstaktischen Gründen.