Selbstmordversuch

Sinéad O'Connor fleht auf Twitter um psychologische Hilfe

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Kathrin Spoerr

Wie geht es einem Menschen, der solche Sätze in die ganze Welt hinausschreit: "Kennt jemand einen Psychiater in Dublin oder Wicklow, der mich heute besuchen könnte? Es geht mir wirklich schlecht. Bin in Gefahr"? Sinéad O'Connor hat sie vor zwei Tagen geschrieben - auf Twitter.

Die größtmögliche Aufmerksamkeit wurde ihr damit zuteil. Natürlich eilten sofort Ärzte zu ihrem Haus und halfen der Sängerin. Sinéad O'Connor steht immer mal wieder mit Skandalmeldungen in den Zeitungen der Welt. Es ist lange, sehr lange her, dass die Sängerin ihrer Musik wegen in der Zeitung stand. Das eine Lied aber, mit dem sie berühmt wurde, kennt noch heute jeder. "Nothing Compares 2 U", sang sie 1990. Das Lied war der Geniestreich dieser Künstlerin. Es war aber auch ihr Verhängnis. Eine Wiederholung des Erfolgs gelang Sinéad O'Connor nicht.

Einen Tag nach dem Hilferuf auf Twitter sagte O'Connor der Zeitung "The Sun": "Ich hatte eine Überdosis Tabletten geschluckt." Sie bekannte auch, dass es offenbar nicht der erste Selbstmordversuch war, den sie überlebte. Schon eine Woche zuvor habe sie Tabletten geschluckt, "aber Gott will mich noch nicht haben", ist auf ihrem Blog nachzulesen. Ein Blick auf ihr bizarres Leben im Ausnahmezustand erklärt manches - und wirft auch kein kleines, erhellendes Licht auf ihre beiden Selbstmordversuche. Fangen wir mit dem letzten Ereignis an, mit dem die Sängerin es schaffte, mediale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen: ihre vierte Ehe. Dreimal hatte Sinéad O'Connor geheiratet, sich dreimal getrennt. Viermal wurde sie Mutter, ihr jüngster Sohn ist erst fünf Jahre alt. So weit, so gut.

Im vergangenen Jahr postete sie auf ihrem Blog im Internet: "Ich brauche unbedingt einen sehr süßen, sexhungrigen Mann ... Ich bin auf dem Höhepunkt meiner sexuellen Blüte und viel zu reizend, um wie eine Nonne zu leben."

Angeblich meldeten sich Tausende Männer. Einer von ihnen, der Therapeut Barry Herridge, sollte O'Connors nächster Ehemann werden. Sie heirateten am Tag von O'Connors 45. Geburtstag am 8. Dezember. Ihre Ehe hielt nicht lange. 16 Tage nach der Trauung in Las Vegas verkündete O'Connor ihre Trennung. Sinéad O'Connor hielt nicht mit Vermutungen über die Schuld an ihrem Scheitern hinter dem Berg: natürlich der irische Staat. Die irische Kirche. Und die Medien. Sinéad O'Connor führt einen langen, erbitterten Kampf gegen ihr eigenes Land, das sie, wie sie immer wieder sagt und schreibt, nur deswegen nicht verlässt, weil die Väter ihrer Kinder dort leben.

Vor einigen Tagen war zu lesen, dass O'Connor an einer bipolaren Störung (besser bekannt als manische Depression) leide. Die Sängerin selbst dementierte diese Diagnose umgehend auf ihrer Homepage - was viel heißen kann, auch, dass sie wirklich krank ist. Die Künstlerin hat wegen ihrer Popularität keine schlechten Chancen, von den Ärzten ihres gehassten Heimatlandes ernst genommen, vielleicht sogar geheilt zu werden.