Gewaltbereitschaft

Angeklagter schlägt Richter krankenhausreif

Wenige Tage nach den tödlichen Schüssen auf einen Staatsanwalt in Dachau ist ein schwerer Angriff auf einen Richter in Karlsruhe bekanntgeworden. Nach Angaben des dortigen Oberlandesgerichts wurde ein 63-jähriger Richter am 15. Dezember nach einem Bauprozess schwer verletzt.

Er hatte dem Beklagten signalisiert, seine Berufung werde wohl erfolglos sein. Als der Richter den Saal verlassen wollte, schlug der Beklagte ihm mit der Faust ins Gesicht. Dem Juristen wurde ein Zahn ausgeschlagen, mehrere Zähne waren nach der Attacke locker. Außerdem erlitt er eine Risswunde. Der 63-Jährige war zwei Tage im Krankenhaus. Es ging um eine Werklohnforderung von 6000 Euro, teilte eine OLG-Sprecherin am Freitag mit. Der Beklagte war zur Zahlung verurteilt worden.

Trauerbeflaggung an allen Justizgebäuden will Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) wegen der Ereignisse in Dachau anordnen. Sie solle am Montag beginnen und am Tag der Bestattung enden, teilte das Ministerium mit. Ein Termin für die Trauerfeier steht aber noch nicht fest. Ein Transportunternehmer hatte am Mittwoch während der Urteilsbegründung gegen ihn vor dem Amtsgericht eine Pistole gezogen und mehrere Schüsse auf Richter und Staatsanwalt abgefeuert. Zwei Kugeln trafen den Ankläger, der wenig später starb.

Der Todesschütze ist offensichtlich auch kurz vor der Tat als unkontrollierter und jähzorniger Mensch aufgefallen. Nach Medienberichten vom Freitag schimpfte der 54-Jährige am Mittwochnachmittag in einem Café in der Nähe des Gerichts auf die Justiz. Besonders soll er es auf den Richter abgesehen haben. Die "Augsburger Allgemeine" zitiert die Pächterin des Cafés mit den Worten: "Er war sehr laut, poltrig, aggressiv."

( dpa )