40 Jahre Regentenschaft

Eine coole Königin auf dem dänischen Thron

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Inga Griese

Zweiundachtzig Prozent. Keine hat mehr. Nicht einmal die lustigen Holländer. Es ist die dänische Monarchie, die ganz oben in der Beliebtheitsskala eines europäischen Volkes thront. Das hat mit der schönen Prinzessin Mary zu tun, dem so fabelhaft aussehenden Kronprinzen Frederik, ihren so entzückenden und gleich vier Kindern.

Und auch der jüngere Bruder Joachim, seine Marie und deren hübschen Kinder tragen zur Wohlfühltemperatur bei. Aber über allen strahlt, und das nicht nur qua Amt, Königin Margrethe - vom "inner circle" nur Daisy genannt.

Ihr Vater, Frederik IX., hatte ihr diesen Kosenamen gegeben, der alle Zeit überdauerte. Ebenso wie seine Entscheidung, eine Verfassungsänderung anzustreben, die eine weibliche Thronfolge ermöglicht. Im Juni 1953 stimmten die Dänen zu, fünf Jahre später wurde Margrethe als offizielle Thronfolgerin vereidigt und 40 Jahre ist es am Sonnabend her, dass sie, erst 31 Jahre jung, zur Königin gekrönt wurde. Zur ersten nach 600 Jahren. Sie galt als schüchtern und unsicher, fragte ihre Mutter, Königin Ingrid: "Was sollen wir tun?" Die Mutter antwortete liebevoll: "Daisy, jetzt musst du entscheiden." Margrethe fragte nie wieder, sondern übernahm. Die Dänen haben es nicht bereut.

Zwar hatte die neue Ministerpräsidentin Hell Thorning-Schmidt, eine dynamische, markenbewusste Frau, den Punkt "Monarchie ersatzlos streichen" zunächst weit oben auf ihrer politischen Agenda, doch so richtig Wind haben ihr die Landsleute nicht in diese Segel geblasen. Und tun es gerade weniger denn je.

Sie übersetzt Bücher

Denn eine bessere Besetzung für die Repräsentationsaufgabe würden sie in demokratischen Zirkeln nicht finden. Und wenn so mancher der 71-jährigen Monarchin den Ruhestand wünscht, dann ist das eher als Fürsorge zu verstehen, denn als Aufruhr. Denn Margrethe ist, und darin ähnelt sie der Queen, eine Instanz. Aber, und darin ähnelt sie der Queen nicht, eine wesentlich volksnähere. Dänisch eben. Nicht britisch.

Margrethe ist eine hochgebildete, künstlerisch begabte und ziemlich coole Person. Eigenwillig, unbeirrt von Moden, traditionsbewusst und bodenständig zugleich. Nie ein Kind ihrer Zeit, aber nie weltfremd. Sie raucht wie Schmidt und sagt, was sie denkt (nur nicht zu politischen Themen). Eigenschaften, die populärer denn je sind. Man hat sie fluchen hören und vor Ärger weinen, als ein von ihr gefertigter Wandteppich von Kritikern verbal zerrissen wurde. Sie hat an der Sorbonne, in Cambridge und London Geschichte, Volkswirtschaft und Archäologie studiert, hat ein Faible für Kunst und Wissenschaft, spricht fünf Sprachen. Sie ging mit ihrem Großvater, dem schwedischen König Gustav Adolf auf Ausgrabungsreisen, sie malt, entwirft Bühnenbilder, übersetzt und koloriert Bücher, Simone de Beauvoirs ebenso wie Tolkiens "Herr der Ringe".

Und sie hat durchaus das Format zuzugeben, dass sie nicht immer eine gute Mutter und Frau war, zu wenig Zeit für die Söhne hatte, ihrem französischen Mann Henrik nicht genug half, seine Rolle als Prinzgemahl zu finden und dass ihre Ehe Krisen gesehen hat, während der er sich eine Zeit lang auf sein Weingut in Frankreich zurückgezogen hatte. Doch alles wurde gut. Ganz ohne Skandal. Und von wegen nordisch unterkühlt.

Die Dänen, das ist kein Märchen, gehören zu den zufriedensten Menschen der Welt. Sie haben gute Gründe: die landschaftliche Ruhe des Nordens, der Zusammenhalt der Gemeinschaft, die Förderung von Bildung durch den Staat, die ausgewogene "Life-Work-Balance", eine generelle Lockerheit prägen den Alltag. Vom ausgeprägten und ausgelebten Designgefühl ganz zu schweigen. Margrethe ist keine Zeitgeistikone. Und für sie ist "Königin keine Karriere, sondern eine Lebensaufgabe". Aber es hat bestimmt etwas zu bedeuten, dass sie Dackel liebt. Lange bevor die nun wieder zum Kulthund wurden.