Unternehmensidee

Brauchen Sie eine gute Ausrede?

Ein langweiliges Firmenjubiläum absagen? Oder ein lästiges Familietreffen? Stefan Eiben kann helfen, er handelt mit Ausreden und Notlügen, mit wasserdichten Alibis. Der 37-Jährige ist Gründer der Agentur Alibiprofi in Bremen.

"Ich verhelfe meinen Kunden zu mehr Freiraum", sagt er.

Dabei gehe es in erster Linie gar nicht ums Fremdgehen, wie man vielleicht vermuten könnte. "Viele wollen einfach mal ein freies Wochenende oder einen freien Abend genießen, ohne sich rechtfertigen zu müssen oder jemanden vor den Kopf zu stoßen", weiß der Alibiprofi aus seiner mehr als zehnjährigen Erfahrung. Da helfe beispielsweise eine professionelle Einladung zu einem Seminar oder einer fiktiven Fortbildung, die der Kunde einfach offen liegen lassen sollte.

Einige Kunden nehmen die Hilfe der Bremer Agentur aber auch dauerhaft in Anspruch. "Wenn ein Mann zum Beispiel sein uneheliches Kind besuchen möchte, ohne das seine Frau etwas merkt, statten wir ihn mit einer zweiten Identität aus", erzählt Eiben. Als Dolmetscher oder Handelsvertreter erkläre sich seine häufige Abwesenheit quasi von selbst. Auch die Mitgliedschaft in einem Klub schaffe Freiräume. Von Visitenkarten bis hin zur eigenen E-Mail-Adresse schnürt der 37-Jährige bei Bedarf ein Rundum-sorglos-Paket.

Unterstützt wird Eiben in Deutschland von einer Handvoll Mitarbeiter, weltweit kann er auf rund 1000 Ansprechpartner zurückgreifen. Sie werfen beispielsweise vom Kunden handgeschriebene Ansichtskarten in London, Paris oder Dubai ein, ohne dass er selbst vor Ort ist, erledigen Anrufe oder treten als Strohmänner auf. Befreundete Firmen - von der Tischlerei bis zur Marketingagentur - sorgen für den nötigen Anschein von Seriosität, wenn ein fingiertes Schreiben ihren Briefkopf trägt. "Alles ganz legal", betont der in Delmenhorst geborene Eiben, der ursprünglich Systemadministrator gelernt hat. Es gehe absolut alles, solange es rein privat genutzt werde.

Seine Kunden seien Frauen und Männer zwischen 18 und 80 Jahren aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, darunter Studenten, Politiker, Rechtsanwälte und Fußballspieler, aber auch arbeitslose oder schwer kranke Menschen. "Letztere stehen oft unter großem Druck und wollen ihre Situation vor Freunden oder Nachbarn geheim halten", erklärt Eiben.

Moralische Bedenken hat der 37-Jährige nicht. "Ich hätte welche, es nicht zu machen", sagt Eiben, der nach eigenen Angaben bundesweit als einziger seine Alibiagentur seit vielen Jahren hauptberuflich betreibt. Die Idee dazu hatte er 1999, als ihm zwei seiner Freunde kurzfristig absagten, weil deren Freundinnen die Verabredung nicht erlaubten. "Für mich käme es nicht infrage, sich etwas verbieten zu lassen", erklärt Eiben, dessen wichtigste Arbeitsutensilien ein Laptop und ein Handy sind.