Interview

Ab in den Urwald

Vom Frankfurter Flughafen hoben die Prominenten am Sonntagabend in Richtung Australien ab. Ab dem 13. Januar zeigt RTL dann täglich, was sich die elf ausgesuchten Promis im Dschungelcamp vor laufender Kamera antun werden. Dabei, wenn auch hinter der Kamera, ist auch Micky Beisenherz (34), neben Jens-Oliver Haas (44) einer der wichtigsten Kollegen im Camp. Er versorgt die Moderatoren mit ihren berühmt-berüchtigten Kommentaren.

Berliner Morgenpost: Herr Beisenherz, Sie klingen aufgekratzt. Ist das die Vorfreude? Liegt es an der Auswahl der Teilnehmer für die neue Staffel des "Dschungelcamps"?

Micky Beisenherz: Sowohl als auch. Es wird auf jeden Fall das größte Ehemaligen-Treffen aller Zeiten. Ehemaliges Model, ehemaliger "DSDS"-Teilnehmer, ehemaliger "Next Uri Geller" ... Das "Ex" kommt so oft vor, dass die Sendung eigentlich "Ex-Faktor" heißen müsste.

Berliner Morgenpost: Auf wen freuen Sie sich am meisten?

Micky Beisenherz: Auf Ailton, der verspricht großartig zu werden. Den Leoparden-Tanga hat er schon, und auch in seiner aktiven Zeit als Fußballer war er ohnehin zu 80 Prozent Entertainer - wenngleich er nur den Wortschatz einer durchschnittlichen SMS hat. Fürs Auge ist aber auch was dabei.

Berliner Morgenpost: Meinen Sie etwa Brigitte Nielsen?

Micky Beisenherz: Äh, zum Beispiel. Und dann sind da ja noch Micaela Schäfer und Radost Bokel, vielen noch in Erinnerung als "Momo". Und Ramona Leiß - mit der holen wir uns die ganzen ZDF-Zuschauer.

Berliner Morgenpost: Aber als Typ sticht Brigitte Nielsen schon hervor, oder?

Micky Beisenherz: Na ja, ihre Generalsanierung liegt schon vier Jahre zurück. Und man weiß ja: Wenn einen das Bindegewebe erst mal im Stich gelassen hat, dann sind vier Jahre ...

Berliner Morgenpost: ... eine halbe Ewigkeit. Sie klingen, als texteten Sie sich schon mal warm.

Micky Beisenherz: Echt? Die Frau ist eine Baustelle, größer als der Potsdamer Platz. Für drei, vier Gags sollte das reichen. Das Pulver geht uns allerdings auch sonst nie aus.

Berliner Morgenpost: Was ist für Kandidaten eigentlich schlimmer: Wenn die Moderatoren Gift und Galle spucken - oder wenn sie sie ignorieren?

Micky Beisenherz: Ich glaube, ignoriert zu werden, ist für alle Beteiligten die härteste Strafe - wobei sie natürlich erst nach ihrem Auszug aus dem Camp erfahren, inwieweit sie Thema waren. Sarah aus dem letzten Jahr zum Beispiel hat selbst dann anscheinend überhaupt nicht gemerkt, dass sie einige Zuschauer durchaus kritisch gesehen haben.

Berliner Morgenpost: War es nicht eher so, dass sie da ahnungslos hereingeschliddert ist und das Spiel erst am Rande des Nervenzusammenbruchs durchschaut hat?

Micky Beisenherz: Nein, nach fünf Staffeln weiß jeder Kandidat, worauf er sch einlässt.

Berliner Morgenpost: Wo liegt Ihre persönliche Schmerzgrenze?

Micky Beisenherz: Sich über körperliche Behinderungen oder religiöse Einstellungen um des Gags willen lustig zu machen, das fände ich schwach. Mir geht es darum, krudes Verhalten zu kommentieren. Obwohl man auch da aufpassen muss, dass man keine Hexenjagd veranstaltet.

Berliner Morgenpost: Als RTL 2004 die erste Staffel des Dschungelcamps zeigte, riefen viele Zuschauer noch nach der Medienaufsicht. Inzwischen wurde das Format sogar für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

Micky Beisenherz: Für den einen oder anderen mag sich das Format an der Oberfläche noch als Trash-TV darstellen. Aber viele haben erkannt, dass zwischen einigen handfesten Gags auch Intellekt hervorblitzt - und dass die Show sehr gut als Mediensatire funktioniert. Ich glaube, dass es diese selbstironische Haltung ist, die dem Zuschauer sehr gut gefällt.

Berliner Morgenpost: Ist die zunehmende Akzeptanz des Dschungelcamps nicht in erster Linie der Tatsache geschuldet, dass das Publikum gegen Verletzungen der Privatsphäre abgestumpft ist?

Micky Beisenherz: Sogar eine TV-Show wie "Wetten, dass..?" hat ihre Grenzen erweitert. Aber bei uns liegt der Fokus stärker auf der Ironie. Es gibt sogar Zuschauer, die sagen: Lasst die Mutproben weg. Macht lieber noch ein paar mehr Sprüche.

Berliner Morgenpost: Setzt Ihr Job als Autor eine gewisse Skrupellosigkeit voraus?

Micky Beisenherz: Mit Sicherheit. So eine gewisse Profikiller-Mentalität kann nicht schaden.

Berliner Morgenpost: Was sagen Sie zu dem Vorwurf: Es gibt ein Drehbuch fürs Dschungelcamp?

Micky Beisenherz: Die Teilnehmer konnten sich doch schon in ihrer Erstkarriere keine zwei Sätze merken. Wie kommen Sie denn darauf?

Berliner Morgenpost: Die "Zufälle" haben sich in der letzten Staffel verdächtig gehäuft. Teilnehmer, die aus Protest gegen Sarah Dingens damit drohten, die Show zu verlassen. Eine Sarah, die petzte, dass die Liaison zwischen Indira und Jay Khan nur ein Fake war ...

Micky Beisenherz: Ich persönlich habe diese letzte Staffel auch wie eine Mischung aus "Inception" und "Der Herr der Fliegen" wahrgenommen. Aber wenn selbst der leitende RTL-Redakteur zusammen mit den Cuttern vor einem Fernseher sitzt und das Geschehen live wahrnimmt wie ein WM-Finale, mit Cola und Popcorn, dann kann das nicht gespielt sein. Wenn das so gewesen wäre, dann würde ich jetzt mit deutlich weniger Vorfreude ins Outback fliegen.

Berliner Morgenpost: Aber ein bisschen hilft RTL nach, oder?

Micky Beisenherz: Ja, mit der Auswahl der Bilder. Die einzige Einflussnahme ist sonst die Härte des Alltags. Wenn einem Drogen wie Koffein, Nikotin und Zucker entzogen werden, befördert das Verhaltensauffälligkeiten.

Berliner Morgenpost: Trauen Sie sich nach dem Ende noch, mit den Kandidaten ein Bier zu trinken?

Micky Beisenherz: Da die mich in der Regel für so eine Art Beleuchter halten, habe ich damit kein Problem.