Winterchaos

Vorarlberg von der Außenwelt abgeschnitten

Der Winter hat in den Alpen einen neuen Höhepunkt erreicht. Wegen Lawinengefahr mussten am Montag zwischenzeitlich alle Straßen von Tirol nach Vorarlberg gesperrt werden, auch die Bahnstrecke war nicht befahrbar, das "Ländle", wie die Österreicher ihr westlichstes Bundesland Vorarlberg nennen, vom Rest der Alpenrepublik abgeschnitten.

Tausende Urlauber saßen in Wintersportorten fest. Allein in Lech und Zürs waren am Montag 12 000 bis 13 000 Personen eingeschneit, Einheimische und Tourismusangestellte mitgezählt. Bürgermeister Ludwig Muxel nahm es gelassen. "Viele Gäste, die zu uns kommen, kennen das schon", sagte er. "Andere sagen mir, wie schön sie es finden, einmal so einen Winter zu erleben." Die meisten Pisten seien offen, die Loipen sowieso. An der Arlberg-Bundesstraße, der Verbindung von Tirol nach Vorarlberg, wurde ein Hubschrauber eingesetzt, um die Straße wieder passierbar zu machen. Eine Baumgruppe drohte wegen der Schneelast auf die Straße zu stürzen. Da die Stelle nur unter großen Gefahren zu erreichen war, blieb nur noch die Hilfe aus der Luft.

Die Straße nach Galtür und zu den anderen Orten im Paznaun, einem Tal im Westen Tirols, war ebenfalls gesperrt. Andreas Steibl vom regionalen Tourismusverband wollte die Betroffenen aber keineswegs als Eingeschneite oder gar Festsitzende bezeichnen. Im Laufe des Montag entspannte sich die Situation dann auch langsam.

Nicht überall ging das Schneechaos jedoch glimpflich aus. Montagmittag mussten dem ORF zufolge immer noch 7200 Haushalte in Tirol ohne Strom auskommen. Im Bezirk Schwaz hatten zwei deutsche Autofahrer einen Unfall ausgelöst, bei dem sieben Autos involviert waren.

Im Skigebiet Axamer Litzum setzten Helferteams am Montag die Suche nach einem 15-jährigen Skifahrer fort, der seit Samstag in dem stark lawinengefährdeten Gebiet vermisst wird. Im Skigebiet Auffach nahe Kufstein wurde eine Urlauberin aus Polen auf der Skipiste von einem umstürzenden Baum getroffen und am Knie verletzt. Im Salzburger Pinzgau waren einige Straßen wegen umgestürzter Bäume blockiert. Rekordverdächtig sind die extremen Schneemengen für die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien. "Im Westen Österreichs hat es so viel geschneit wie schon lange nicht mehr", heißt es in einer Mitteilung. An einigen Wetterstationen wurde seit 30 Jahren in einem Januar nicht mehr so viel Schnee gemessen.

Auch in der Schweiz brachten die Ausläufer des Sturmtiefs "Andrea" gewaltige Schneemengen. Allein von Sonntag bis Montag fielen im Hochgebirge stellenweise 50 Zentimeter Neuschnee und ließen die Decke auf bis zu vier Meter anwachsen. Am Dienstag werden in Österreich und der Schweiz nur mehr vereinzelte Schneeschauer erwartet. Zur Wochenmitte soll sich ein Hoch durchsetzen, das mildes Winterwetter bringt.